Wigo
- Die Liebe stirbt zuletzt!
von
Marleen van Barneveld
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Folge
28
Wigo
und seine Freunde entdeckten im Untersberg einen Kreis auf
einer Felswand. Der geheimnisvolle Cisko aktivierte diesen
Kreis mit einem kleinen seltsamen Gerät, das er aus seiner
Tasche zog. Der Felsen innnerhalb dieses Kreises schien
sich daraufhin zur Überraschung aller immer mehr zu verflüssigen
und durchlässig zu werden.
Unsere
Freunde erreichen nun durch dieses ‘Felsentor’ ein anderes
unterirdisches Gewölbe irgendwo zwischen Raum und Zeit...
In
ein rätselhaftes Gewölbe katapultiert
Ihre
Körper schossen durch Dimensionen und landeten schließlich
ziemlich unsanft in einem unbekannten Gewölbe. Die Wände
waren aus groben Feldsteinen fast fugenlos aufeinander geschichtet
worden. Seltsame Runen und Schriftzeichen waren auf den
Steinen eingemeißelt. Die Schriftzeichen waren seltsamerweise
noch recht gut zu lesen, die Runen hingegen waren fast verblasst.
Der
Professor nahm seine Taschenlampe und richtete den Lichtstrahl
auf die Zeichen an der Wand. „Kannst du etwas entziffern?“,
fragte ihn Luna.
„So
wie es aussieht, sind es Runen aus der Keltenzeit.“
Lissa
hatte ihre Hand auf Rosa’s Schulter gelegt. „Ich höre eine
Stimme“, wisperte sie ihm ins Ohr und deutete mit einem
Kopfnicken auf die nachtschwarze Öffnung hinter ihr, die
in der Gewölbewand auf der anderen Seite gähnte. Angestrengt
lauschte er mit leicht gesenktem Kopf und sagte leise zu
ihr: „Ja, jetzt höre ich es auch, verstehen kann ich aber
nichts. Wollen doch mal sehen, wer das ist!“
Er
machte drei Schritte vorwärts. Lissa hielt ihn am Arm zurück
und flüsterte ihm leise zu, indem sie mit ihrem Daumen auf
Wigo zeigte: „Lass’ ihn als erster gehen, das schuldet er
dir!“
Rosa
schaute sie etwas seltsam an und wusste nicht recht, was
er von dieser Bemerkung halten sollte. Doch bevor er ihr
darauf etwas erwidern konnte, sagte Cisko: „Dann gehen wir
drei schon mal weiter, kommt ihr mal langsam nach!“
Beschämt
und wie ertappt senkte Rosa seinen Blick und murmelte unverständliche
Worte durch seine Lippen, die kein anderer verstehen konnte.
„Der Cisko hört tatsächlich das Gras wachsen“, dachte der
Professor, „davon bin ich nun mehr als je zuvor überzeugt.
Kein normaler Mensch könnte das hören, was Lissa mir eben
leise ins Ohr geflüstert hat!“
Und
während sich den Dreien Lissa und Luna anschlossen, stand
der Professor immer noch grübelnd am selben Fleck. Dann
setzte auch er sich in Bewegung und hatte die anderen mit
ein paar schnellen Schritten erreicht, obgleich das nicht
ganz einfach für ihn war, denn seine Taschenlampe strahlte
nicht mehr so hell wie vor ein paar Stunden noch. Als Rosa
das bemerkte, dachte er: „Sie gibt wohl demnächst ihren
Geist auf. Aber egal alles hat seinen Preis.“
Das
Hologramm
Er
grinste vor sich hin und seine Laune wurde wieder heller.
Je weiter sie in den Gang kamen, desto besser verstanden
sie die Stimme. Ein schwacher Lichtschein war schon zu erkennen,
der aus dem Raum vor ihnen herausschimmerte. Rosa umfasste
seine Taschenlampe mit hartem Griff. Zur Not würde er sie
als Waffe benutzen.
Auch
Lissa schien angespannt zu sein, wie er bemerkte. Als Rosa
endlich als letzter durch den Eingang des Tunnels ging,
sah er eine wunderschöne Tropfsteinhöhle. Soweit er auch
seinen Hals drehte, überall sah er goldenes Licht. Die Luft
roch gut und sauber wie draußen in der Natur. Rosa atmete
dreimal tief durch und erfrischte seine Lungen mit einem
köstlichen Duft aus Sandelholz und Jasmin. In diesem Moment
sehnte er sich nach der Sonne.
Die
Wände waren leicht gewölbt aber glatt. Langsam ging er in
den Raum hinein. Die anderen hatten sich um eine Art Säule
gruppiert, die etwas abseits im Raum stand und die er zuerst
gar nicht bemerkte. Er ging zu der kleinen Gruppe hinüber
um zu sehen, was es da Schönes gab. Die Säule entpuppte
sich als ein Hologramm! In ihr sah er zu seiner großen Überraschung
einen Mann mit grauem Bart, dessen Augen gutmütig drein
schauten. „Dieser Mann erinnert mich an Moses!“ Das war
sein erster Gedanke beim Anblick der Gestalt in der Säule.
Warum
ausgerechnet Moses das sein sollte blieb für ihn ein Rätsel,
denn er war der letzte, der sich um biblische Figuren unnötige
Gedanken machte. „Aber was soll’s“, dachte er, „ich will
mal sehen und hören, was er zu erzählen hat und da ist es
doch ganz egal ob ich denke, es ist Moses oder nicht!?“
Die
Rede des „Moses“
Er
wollte sich mit seinen Gedanken beschwichtigen, aber seine
Zweifel blieben, warum ihm ausgerechnet jetzt der Prophet
Mose durch den Kopf ging. Vielleicht spann er seinen Denkfaden
weiter, steckt womöglich doch etwas Höheres dahinter. „Inspirationen
kommen nicht von ungefähr auf einen zugeflogen. Inspirationen
haben immer eine Bedeutung. Nun gut, ich werde aufmerksam
bleiben.“
Seine
Aufmerksamkeit wurde wieder auf das Hologramm gelenkt: „Es
ist für euch alle, die ihr hier seid, in diesem Leben angesagt,
Gelassenheit zu üben und zu entwickeln“, hörte er den
weisen Mann aus dem Hologramm sprechen.
„Das
Wort Gelassenheit kommt von Loslassen. Was sollt ihr loslassen?
- Ihr sollt eure Beurteilung, eure Verurteilung loslassen!
Erkennt, dass Gelassenheit und Loslassen eine Sache der
Persönlichkeit sind. Eure Persönlichkeit entfaltet sich
immer mehr und sie sollte sich dahin entfalten, dass ihr
seht, dass Persönlichkeit vergänglich ist. Alles ist vergänglich,
eure Persönlichkeit mit allen Gefühlen, mit allen Gedanken
und mit allen Reaktionen darauf. Alles ist vergänglich.
Das einzige, was letztendlich übrig bleibt, ist euer göttlicher
Kern, den es zu entfalten gilt. Wenn ihr euren göttlichen
Kern entfaltet habt, dann handelt ihr aus ihm heraus, nicht
mehr aus der dualen Sicht, sondern aus dem Wesen der göttlichen
Kraft, nämlich aus Liebe und Weisheit, die dann kraftvoll
umgesetzt wird.“
Rosa
runzelte seine Stirn. Er überlegte angestrengt. Die Worte
des alten Mannes bezog er zunächst nur auf sich, denn er
dachte an die Keilerei, die er mit Wigo gehabt hatte.
„Liebe
Freunde, ich möchte euch bitten, Gefühle zu leben und zu
spüren, anstatt diese nur verstandesmäßig im Kopf zu haben.
Was euch am Spüren hindert ist die große Tendenz, nicht
gelassen genug die Dinge sein zu lassen wie sie sind, sondern
mit eurer Persönlichkeitsstruktur Menschen und Situationen
zu beurteilen und zu verurteilen, die auf euch zukommen,
die in euer Leben treten. Und so kommt ihr in negative Gefühle,
ihr blockt ab durch die Mauer eures Verstandes.
Je
mehr ihr diese Mauer aufbaut, um euch nicht verletzt zu
fühlen, um nicht Ärger, Wut und Zorn zu fühlen, umso weniger
könnt ihr Glück und Freude fühlen. Glück und Freude aber
sind für euch notwendig, um eure Persönlichkeitsschichten
zu durchbrechen, um voranzukommen und vorzudringen zu eurem
WAHREN SELBST!
Es
ist harte Arbeit, so weit vorzudringen, denn es bedeutet
loszulassen, eure Denkstrukturen loszulassen, was natürlich
der Dualität, in der ihr lebt, entspricht.
Jeder
Mensch hat einen Bewusstseinsstand, den er im Laufe von
vielen Leben entwickelt hat. Und dieser Bewusstseinsstand
ist in dem jeweiligen Augenblick richtig. Das Leben bietet
für jeden die Chance, durch die Herausforderungen, die ihr
als ’Probleme’ betrachtet, bewusstseinsmäßig weiter fortzuschreiten
- also könnt ihr nicht urteilen über den Bewusstseinsstand
eines anderen, der auch seine Berechtigung hat.
Wenn
ihr ein Stück weiter seid in eurer Entwicklung, ein Stück
mehr euren Panzer, eure Mauer, eure Trauer bearbeitet und
euer Herz entfaltet habt und einen etwas anderen Bewusstseinsstand
erreicht habt, werdet ihr erkennen können, dass alles eine
Berechtigung hat - all das, was geschieht, für jeden einzelnen.
Dies wird euch dann befähigen, die Dinge gelassener zu sehen.
Es
ist für euch alle, die ihr hier steht, in diesem Leben angesagt,
Gelassenheit zu üben und zu entwickeln. Das Wort Gelassenheit
kommt von Loslassen. Was sollt ihr loslassen? - Ihr sollt
eure Beurteilung, eure Verurteilung loslassen. Wenn ihr
loslasst und wisst, dass alles einer göttlich vollkommenen
Ordnung untersteht, auch dann werdet ihr gelassener.
Erkennt
also, dass Gelassenheit und Loslassen eine Sache der Persönlichkeit
sind. Eure Persönlichkeiten entfalten sich immer mehr und
sie sollten sich dahin entfalten, dass ihr seht, dass Persönlichkeit
vergänglich ist. Alles ist vergänglich, eure Persönlichkeiten
mit allen Gefühlen, mit allen Gedanken, die aus eurem Verstand
entstammen und mit allen Reaktionen darauf. Alles ist vergänglich.
Das einzige, was letztendlich übrig bleibt, um in die göttliche
Kindheit zurückzukehren, ob nach diesem Leben oder einem
anderen Leben, ist euer göttlicher KERN, den es zu weiten
und zu entfalten gilt.
Wenn
ihr euren göttlichen KERN entfaltet habt, dann handelt ihr
aus ihm heraus, nicht mehr aus der dualen Sicht, sondern
aus dem Wesen der göttlichen Kraft, nämlich aus LIEBE und
WEISHEIT, die kraftvoll umgesetzt wird.
Was
ist die göttliche KRAFT? - Es ist letztendlich die LIEBE,
auch das MITGEFÜHL und besonders die WEISHEIT. Diese sollen
sich in eurem Denken, Fühlen und Handeln an vorderer Stelle
finden, so dass durch euch die LIEBE, das MITGEFÜHL und
die WEISHEIT tatsächlich auch zum Ausdruck kommt! Dann werdet
ihr bemerken, dass es von allen Menschen gerne angenommen
wird.
Das
Leben ist ständige Veränderung. Es gibt niemals einen Stillstand,
denn eure Seele verlangt nach Wachstum. Die schweren Zeiten
sind Wachstumszeiten! Betrachtet sie nicht einfach als schwere
Zeiten, sondern als Herausforderungen. Es gibt keinen Stillstand!
Wählt
also euren Weg. Der eine führt zum Leben und zum Glück,
der andere zu Tod und Unglück. Wenn ihr aus meinen Worten
etwas gelernt habt, dann wählt mit eurem Herzen den richtigen
Weg.
Wenn
ihr aber euer Herz abwendet und nicht darauf hört, was es
euch sagt, wenn ihr euch verführen lasst durch Äußerlichkeiten,
dann werdet ihr verloren sein. Leben und Tod lege ich euch
vor. Segen und Fluch. Seid klug, wählet also das Leben!“
Rosa
schaute auf das Hologramm. Plötzlich erstrahlte es in vielerlei
herrlichen Farben. Dann fiel es in sich zusammen.
Auf
der gegenüberliegenden Wand bildete sich nun ein kleiner
weißer Punkte, der rasch größer wurde. Der Punkt nahm dann
eine Kontur an und wurde zu einem pulsierenden Tunnelhologramm.
Fortsetzung
zu Folge 29