UFO-Nachrichten

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Wigo - Die Liebe stirbt zuletzt!
von Marleen van Barneveld

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Ein etwas seltsamer Fahrer mit Namen Cisko hatte die Großzügigkeit, unsere Freunde in seinem Wagen nach Österreich mitzunehmen. Cisko schien mehr zu wissen als er sagte. Er führte unsere Freunde auch an alte geschichtsträchtige Orte, die wohl ebenso noch ein Geheimnis in sich trugen wie Cisko selbst. Eine gleichfalls seltsame und geheimnisvolle Geschichte las er dann eines Tages den erstaunten Zuhörern vor aus einem alten Büchlein, das er überraschend aus seiner Jackentasche zog...

 

„Brrrr, ist mir kalt“, wisperte Rosebär. „Kannst Du nicht ein bisschen schneller die Tür aufschließen, Cisko? Ui, ich frier mir gleich einen Ast ab.“ Endlich hatte Cisko die Tür aufgeschlossen. Er gab ihr dann einen Tritt und sie flog sperrangelweit auf.

Rosebär hatte seine Arme über kreuz um seinen gebückten Oberkörper geschlungen und lief wie ein Wiesel den Korridor entlang. „Nur rein in die gute Stube“, dachte er, „ach nee, besser ist, ich sause lieber in die Küche und mache mir einen starken Grog.“ Er grinste in sich hinein und dachte, dass das auch nur wieder ein Wunschtraum von ihm wäre, denn in Cisko’s Flaschenregal gibt es ja so was nicht, „hihi“. „Man kann doch mal einen Wunschtraum haben“, nuschelte er vor sich hin. Und schon war er dabei den Wasserkocher anzustellen. Dann ging er zum Schrank, holte die Citropresse heraus und stellte sie auf den Tisch.

„Was soll’s“, grinste er, „heißer Zitronensaft mit viel Honig ist auch ganz schön.“ Der Wasserkocher piepte kurz. Rosebär nahm die Kanne und füllte sein Glas auf und ging aus der Küche den Flur runter.

„Und jetzt an den warmen Ofen... Eigenartig, wie merkwürdig still es ist hier unten!“

Der Professor drückte langsam die Klinke herunter und war schon mit einem Fuß im Zimmer, als plötzlich das Licht von der Deckenleuchte aufflammte.

„Überraschung!“

Wigo ging auf den Professor zu, umarmte ihn freundschaftlich und sagte zu ihm: „Schön, Dich wiederzusehen, Rosa. Schau’ her, ich habe Dir eine Überraschung mitgebracht!“

Rosa traute seinen Augen nicht als er Lissa erblickte. Sie war noch genauso schön wie am ersten Tag als er sie in dem Motel kennen gelernt hatte. Seine Traurigkeit, die er bis zuletzt in sich trug, war weggeblasen wie eine Feder die vom aufschütteln eines Gänsegewandes langsam zu Boden trudelte.

Sie ging auf ihn zu und sah ihn zärtlich an: „Bist Du mir noch böse, Rosa?“ Man konnte sehen, dass es ihm sichtlich peinlich war jetzt eine Antwort auf ihre Frage zu geben, wo doch alle dabei waren. Natürlich war er ihr nicht böse. Ganz im Gegenteil, er war heilfroh sie wieder zu haben.

Erleichtert und mit einem verschmitzten Lächeln auf seinen Lippen sagte er: „Aber wenn Du das nächste mal wieder so plötzlich abreist, dann nimm mich lieber gleich mit.“ Sie strahlte ihn an und fiel ihm um den Hals. Leise flüsterte sie ihm ins Ohr, dass sie das gerne tun wird.

„Sachte, sachte, mein Püppchen“, sagte er schelmisch und strich ihr zärtlich über das schwarze Haar, das sie jetzt offen trug. Er nahm ihre Hand in seine und führte sie zu einem freien Sessel. Dann nahm auch er auf dem Sofa Platz, wo die anderen schon saßen.

„Wigo, alter Junge! Heute hast Du mir eine sehr große Freude bereitet, das werde ich Dir nie vergessen!“

„Ich nehm’ Dich beim Wort, Rosa.“

„Kannst Du auch!“

„Wie war denn euer Ausflug heute am Abend am Untersberg“, wollte Wigo wissen.

„Ach, das war nichts. Ich hätte auf Luna hören sollen. Das einzige das bemerkenswert war, wir wurden beobachtet.“

„Ja?! Von wem denn? Hast Du etwas erkennen können?“, fragte Wigo interessiert.

„Nein, nicht wirklich. Nur eine schemenhafte Gestalt, die sich hinter den Büschen versteckt hielt.“

„Ach so“, sagte der Jüngere.

„Was ist denn so interessant an diesem Berg?, fragte Lissa in die Runde hinein.

„Mögen Sie Geschichten, Lissa?“ Cisko hatte sich zu Wort gemeldet.

„Ja!“, antwortete sie ihm lächelnd. „Ich liebe Geschichten, geheimnisvolle Geschichten am meisten, Cisko.“ Die letzten fünf Worte sprach sie mit einer gewissen Betonung aus.

„Sehr gut, Lissa“, meinte er und holte ein kleines Büchlein aus seiner Jackentasche heraus. „Ich werde Ihnen jetzt eine fantastische Geschichte vorlesen.“ Entspannt lehnte sie sich im Sessel zurück und lauschte seiner Stimme.

Im ersten Moment beschlich ihr ein Gefühl der Vertrautheit, aber dann schalt sie sich eine Närrin. Woher in Gottes Namen sollte sie Cisko kennen? Sie schloss ihre Augen, und folgte bildhaft den Worten des Erzählers:

Es fuhr im Jahr 1694 ein Fuhrmann mit einem mit Wein beladenen Wagen aus Tirol nach Hallein. Der Ort ist 3 Stunden von der Hauptstadt Salzburg entfernt, um den Wein dort zu verkaufen. Als er neben St. Leonhard bei der Almbrucken zu Niederalm, einem Dorf bei dem Wunderberg, gefahren war, ging ein Bergmännlein von diesem Berg hervor und fragte den Fuhrmann, woher er kommt, und was er da auf dem Wagen fährt. Der Fuhrmann sagte es ihm.

Da sprach das Bergmännlein: „Fahre mit mir, ich will Dich gut entlohnen. Ich gebe Dir viel mehr für den Wein als Du in Hallein dafür bekommen wirst.“ Der Fuhrmann aber wollte dies nicht tun, sondern erwiderte, dass er den Wein an denjenigen liefern müsse, der ihn bestellt habe. Da nun das Bergmännlein wahrnahm, dass der Fuhrmann nicht mitfahren wollte, so stürzte das Bergmännlein sich plötzlich auf die Mähne der Pferde, und sprach:

„Fuhrmann! Weil Du nicht mitfahren willst, so sollst Du nicht wissen, wo Du bist; ich will Dich so führen, das Du Dich nicht mehr auskennen sollst!“ Der Fuhrmann bekam nun Angst und wusste sich nicht zu helfen; doch besann er sich, und hielt es dann doch für besser, einer zweifelhaften Sache nachzugeben. Er fährt deswegen mit dem Männlein, und dieses führt das Pferd fleißig beim Zaum gegen den Wunderberg zu. Da sie näher dem Berg zukommen, schien es dem Fuhrmann, als sei er auf einer ganz neu gemachten Straße; und als sie auf dem Berg waren, überfiel den Fuhrmann ein Schlaf; und als er wieder erwachte, sah er ein schönes Schloss, das von rot und weißem Marmor sehr hoch gebaut war, in dessen Mitte ein vortrefflich mit Kupfer gedeckter hoher Turm stand und die Fenster waren von purem Kristall. Um das Schloss herum war ein breiter und tiefer Graben. Außerhalb war eine Mauer, 90 Meter hoch und 30 Meter dick. Dieses Schloss selbst aber stand auf einem Felsen. Bevor man zu dem Schloss kommen konnte, musste man über sieben Aufzugbrücken durch mehrere Tore und Schutzgitter gehen.

In dieses Schloss musste der Fuhrmann hineinfahren. Sobald ihn aber ein Diener sah, der von einem Fenster dieses Schlosses herabsah, sagte er es sogleich allen anderen in dem Schloss, welche dann zu allen Fenstern liefen, als hätten sie Freude daran, den Fuhrmann zu sehen.

Diese waren lauter Bergmännlein, einige waren nackt und andere bekleidet. Einige kamen sogar auf den Schlossplatz vor das Schloss heraus, besonders der Kellermeister, der ein etwas stärkeres Männlein war. An seiner Schürze baumelten viele Schlüssel. Sein langer großer Bart hing über seinen Bauch, auch sein Haar rechte ihm bis zur Taille. Dieser Kellermeister sprach:

„Willkommen, mein lieber Fuhrmann! Sei nicht traurig, ich werde Dir zu essen und zu trinken geben, was Dir gefallen wird“. Aber der Fuhrmann zitterte immer noch an allen Glidern, obwohl die Worte des Männleins doch so nett waren.

Als sie in die Mitte des Hofes hineinkamen, kamen eilig die Pferdeknechte hervor und spannten die Pferde aus und führten sie in den Stall zum Füttern. Die anderen Bergmännlein aber führten den Fuhrmann in den untern Teil des Schlosses in ein lichtes Gemach, gaben ihm zu essen und zu trinken, so viel er ertragen konnte, und alles in feinen und sehr wohlgeputzten zinnernen Geschirren. Ungeachtet alles dessen, wollte er doch nicht fröhlich sein, weil er nicht wusste, was dieses wunderliche Ereignis mit ihm und seinem Wein für einen Ausgang nehmen würde. Als er eine Zeitlang gegessen und getrunken hatte, befahlen sie ihm, mit ihnen zu gehen, sie wollten ihm alle Gemächer des Schlosses zeigen.

Der Fuhrmann wäre zwar lieber an seinem Ort geblieben, um auch nach seinem Pferd zu sehen; weil er sich aber nichts zu erwähnen getraute, so ging er mit ihnen. Da führten sie ihn über eine breite Treppe hinauf, die 25 mit Messing beschlagene Stufen hatte. Dann kamen sie in einen prachtvollen Saal, in dem die Wände mit sehr schönen Tapeten bedeckt waren. Darinnen waren Fenster 9 Meter hoch und 7 Meter breit, aber nicht verglast. Durch diesen Saal führten sie ihn in einen anderen Saal, der noch viel herrlicher und schöner war als der erste, und der war mit kostbaren Marmor gepflastert, und die Seitenwände waren nicht mit Tapeten bedeckt, wie in dem ersten Raum, sondern vom klarsten Gold. Die Fenster waren von Kristall, über ihm war die Decke ebenfalls mit Gold und in der Mitte des Saales standen vier von Metall gegossene fein gearbeitete große Riesen, 54 Meter hoch. Diese Riesen hatten große goldene Ketten an ihren Armen, als ob sie gefangen wären. Oben an der Mitte der Decke war ein geformtes Bergmännlein mit einer goldenen Krone, welches die Riesen gleichsam geschlossen hielt; und da der Fuhrmann diese vier Riesen eine Zeitlang betrachtet hatte, sagte das Bergmännlein zu ihm:

„Fuhrmann, verstehst Du nicht, was diese 4 Riesen samt dem Bergmännlein mit der Krone für die künftigen Zeiten bedeuten sollen?“

Der Fuhrmann meinte, er wisse es nicht. Und auch das Bergmännlein, das ihn gefragt hatte, verlor darüber kein weiteres Wort mehr. Im ganzen Saal hingen lauter Harnische, Pickelhauben, Schwerter, unbekannte Geschosse, und alles mit Gold reich verziert. Auch reich verzierte Tische und Stühle standen herum von denen sich der Fuhrmann nicht auskennen konnte, ob solche von Holz, Stein oder was sonst für eine Materie sie sein sollten, doch sah er, dass sie mit Gold und Edelsteinen kostbar verziert waren. Aus diesem Saal führten sie den Fuhrmann in einen weiteren Raum, der nicht weniger prächtig und schön verziert war. Es standen in diesem Saal überaus schöne Bettgestelle mit glänzendem feinsten Gold geziert, und oben auf den vier Ecken der Bettstelle standen 4 Knöpfe, welche der Fuhrmann ebenfalls nicht erkennen konnte, von welchem Material sie waren. An diesen Knöpfen hingen goldene Ketten.

Von dem dritten Saal nun führten die Bergmännlein den Fuhrmann in ein finsteres Gewölbe, das jedoch ganz sauber war. In diesem Gewölbe befand sich ein Loch, das 15cm breit war. Durch dieses befahlen sie dem Fuhrmann ein wenig durchzuschauen. Als er dadurch sah, da sah er über fünfzig kleine Mägdlein, von denen einige hübsche Gewänder trugen und andere ganz nackt waren. Nach einem kurzen Augenblick zogen die Bergmännlein ihn wieder vom Loch zurück. Danach musste er mit ihnen über eine Stiege hinunter in einen wohlgebauten Keller gehen, wovon er kein Ende sehen konnte und der mit Weinfässern voll angefüllt war. Von diesem Keller aus ging er mit ihnen in ein hohes Gewölbe. Darin stand ein großer runder Tisch. An diesem setzte sich ein Bergmännlein, zog einen großen Beutel mit Geld heraus und gab dem Fuhrmann für den mitgebrachten Wein 2160 Gold-Dukaten, und zwar mit dem höflichen Dank und mit diesen Worten:

„Hebe Dein Geld auf, kaufe Dir von diesem einen andern Wein. Du wirst mit diesem Geld in Deinem ganzen Leben Wein und alles was Dein Herz begehrt kaufen können, und es wird Dir glücklich gelingen.“

Nach diesen Worten gingen sie wieder in den Schlosshof hinunter. Die Bergmännlein spannten seine Pferde wiederum ein, nahmen einen Stein, der rot und blau strahlte, und machten damit dem Fuhrmann sein blindes Pferd sehend. Sie gaben ihm auch diesen Stein mit dem Auftrag, dass er damit auch anderen blinden Pferden armer Bauersleute helfen sollte.

Demnach begaben sich die Bergmännlein alle in ihr Schloss zurück, und es kamen alsbald drei andere hervor. Sie trugen schwarze Kleider, einen grünsamtenen Hut, die rote Federn darauf hatten. Diese sagten zum Fuhrmann:

„Du hast es gut gemacht, uns den Wein zu verkaufen. Ermahne auch Deinen Bruder, dass er verkauft, mit was ihn Gott zum Überfluss gesegnet hat.“

Dann begleiteten sie den Fuhrmann eine ganze Strecke auf seinem Weg, und sagten ihm zuletzt: „Da man anfangen wird, weiß und rote Hüte zu tragen, wird die Not aller Orten ihren Anfang nehmen, und der Segen Gottes sich wenden nach dem Leben der Menschen.“

Alsbald fuhr der Fuhrmann voller Erstaunen und Verwunderung seinen Weg im Frieden weiter, unwissend, wie er herausgekommen ist, indem er sich mit seinem Fuhrwerk plötzlich an dem Ort wiedergesehen hat, wo er das Bergmännlein zum ersten Mal sah.

Die 2160 Gold-Dukaten sind dem Fuhrmann nie mehr und nie weniger geworden. Und er hielt sein Versprechen diese wunderlichen Geheimnisse und Erscheinungen alle bei sich zu behalten, bis nahe an seinen Tod. Seine Bekannten und Freunde aber ermahnte er, stets freigebig anderen gegenüber zu sein und einen gottesfürchtigen Lebenswandel zu führen...

„Ja, das war wirklich eine geheimnisvolle Geschichte, Cisko.“

„Kinder“, rief der Professor, ich bin redlich müde. Er stand auf und reckte sich in die Höhe. „Ich gehe ins Bett, Freunde. Morgen kommt wieder ein Tag, der uns hoffentlich etwas Gutes bringt.“ Er gähnte laut hinter vorgehaltener Hand und machte sich auf den Weg zur Tür. Die Klinke schon in der Hand, drehte er sich um und fragte Lissa, ob sie mitkommen wollte.

Sie strahlte übers ganze Gesicht bei seinen Worten, erhob sich und ging mit ihm zusammen hinaus.

Fortsetzung folgt