UFO-Nachrichten

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Wigo - Die Liebe stirbt zuletzt!
von Marleen van Barneveld

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Nach einem ereignisreichen Aufenthalt auf Gut Kernhem in Holland, wollen unsere drei Freunde nun nach Österreich reisen. Doch nicht alle werden dort ankommen, denn durch die etwas spektakuläre Abreise mit einem Taxi und durch das Kennenlernen von Cisko - ein etwas seltsamer Polofahrer, der sie mitnahm - nehmen die Ereignisse einen anderen Verlauf.

 

 

Die Abreise

Das Taxi war gekommen. Wigo, Rosa und Luna stiegen ein, schlossen die Türen und drehten wie auf Kommando ihre Hälse nach rechts, hoben die rechte Hand als letzten Gruß für Evert und Jannie van de Veluwe, dann rollte das Taxi gemächlich die Auffahrt hinunter.

Auf der Strasse nach Arnhem hatte das Taxi schnell an Fahrt gewonnen. Der Motor des Mercedes schnurrte leise vor sich hin als Rosebär unvermittelt sagte: „Schade, dass wir nicht länger geblieben sind.“

Niemand gab eine Antwort, jeder hing wohl seinen eigenen Gedanken nach. „Dann nicht...“, dachte er. „Demnächst schalte ich auch auf ’Durchzug’.“ Rosebär seufzte, schloss seine Augen und legte die Arme über seine Brust. Und damit sie nicht abrutschten, faltete er seine Hände wie zum Gebet. Er grinste in sich hinein als er daran dachte, wie… Weiter kam er nicht mit seinen Gedanken.

Ein dumpfer Aufprall von hinten stieß seinen entspannten Oberkörper nach vorne. Nur weil er angeschnallt war, machte er keine Bekanntschaft mit dem Armaturenbrett. „Das hätte mir glatt ein paar Rippen gebrochen“, überlegte er noch, als der zweite Aufprall erfolgte.

Während der Chauffeur in den Rückspiegel schaute, verlangsamte der Mercedes sein Tempo. Rosebär drehte in Zeitlupe seinen Kopf nach links um zu sehen, welcher Irre an diesem schönen Morgen sie aufs Korn genommen hatte. Nichts als nur eine schwarze Wand war zu sehen. Sprachlos schaute er den Chauffeur an, der stoisch geradeaus blickte und seine Hände verkrampft ums Lenkrad geschlossen hatte.

„Der ist wohl weggetreten“, dachte Rosebär, „der fährt ja nur noch automatisch?“

Er verdrehte seinen Hals bis nach hinten und sah direkt in die Gesichter von Wigo und Luna. Sein Mund verzog sich zu einem breiten Grinsen, dann nickte er mehrmals mit seinem Kopf und drehte sich wieder um.

Hihi“, lachte er in sich hinein. „Sie dachten wohl ich würde was fragen, haha, da können die lange warten, ich nicht mehr.“ Rosebär blickte aufs Tacho des Taxis. Sie fuhren wieder 120 km/h, mehr war auf Hollands Strassen auch nicht erlaubt.

Dann rollte er heran ... der große schwarze Transporter. Eine zeitlang fuhren sie auf gleicher Höhe. Dann plötzlich donnerte er rechts an ihnen vorbei, die Sicht nach vorn abschneidend zog er unbeirrt vor ihnen her. Durch die Windschutzscheibe sah Rosebär das Verkehrsschild: Abfahrt Arnhem 5 km, Pfeil rechts.

Der Taxichauffeur setzte zum Überholen an. Rosebär schaute den Driver von der Seite an und dachte: „Was ist denn jetzt mit dem los? Wieso zuckelt der nicht auch noch die letzten paar Kilometer hinter dem her?“

Unbehaglich rutschte er auf seinem Sitz nach vorn. Am liebsten würde er sich klein machen wie Ginny und ins Handschuhfach verschwinden bis sie in Arnhem am Bahnhof angekommen waren. „Dass man auch nicht mal einen Wunsch frei haben kann“, dachte er, „...wenigstens in solchen Situationen“.

Das Taxi war gerade auf mittlerer Höhe mit dem Transporter, als dieser nach links ausscherte. Der Chauffeur trat das Gaspedal durch und knallte seine Hand auf die Hupe, die er wie im Morsetakt benutzte, daraufhin zog der schwarze Transporter noch mehr nach links. „Verdammt noch mal, nehmen Sie doch das Gas weg“, brüllte er den Taxifahrer auf Englisch an.

„Wie kann man nur so borniert sein und Gas geben, Du hast Deinen Führerschein wohl auf dem Jahrmarkt gewonnen?“

Der Taxifahrer nahm abrupt den Fuß vom Gaspedal. Der Mercedes geriet für ein paar Sekunden aus dem Takt und kam ins schleudern, dann aber hatte der Driver wieder die Gewalt über sein Fahrzeug, und sie fuhren wie gehabt, hinter dem schwarzen Transporter her.

Entnervt lehnte sich Rosebär in seinen Autositz zurück. „Das hört wohl nie auf, dass die Man in Black uns ans Leder wollen, so langsam aber sicher werde ich mich doch lieber meiner Schmetterlingssammlung hinwenden. Warum sollte ich mich auf meine alten Tage noch mit solchen Dingen wie diesen abgeben. Es gibt doch weit Schöneres auf der Welt als Schnipperspiele!? Und dann habe ich diesen Typen auch noch ganz fürchterlich abgeblafft. Ich werd dem ein saftiges Trinkgeld geben und mich auch bei ihm entschuldigen. Das mit dem gewonnenen Führerschein war schon ein starkes Stück von mir, das hätte ich nicht sagen sollen.“

Bei diesem Gedanken heraus schaute er mit zusammengekniffenen, spaltbreiten Augenlidern den Taxichauffeur an und überlegte: „Der scheint die Ruhe weg zu haben!“

Langsam rollte das Taxi aus. Rosebär hatte gar nicht bemerkt, dass der Driver rechts an die Straßenseite herangefahren war. Das Taxi stoppte, der Chauffeur, dem es scheinbar zuviel geworden war, stieg aus, öffnete den Kofferraum und stellte die Reisetaschen an den Straßenrand. Dann ging er zu den Autotüren, riss sie auf, nickte mit dem Kopf und zeigte per winkenden Daumen, dass alle aussteigen sollten.

Da standen sie nun mit ihren gepackten Koffern an der Strasse. Als das Taxi wieder anfuhr, ging die Hupe wie eine Sirene los. Rosebär konnte sehen, wie der Chauffeur übers ganze Gesicht lachte und mit der freien Hand hinter seinem Kopf winkte. „Wicht!“, war das einzige, was Rosebär noch dachte, als das Taxi mit enormer Geschwindigkeit wegsauste.

„Da hast Du Dir ja ein hübsches Ding geleistet, Junge, Junge, Rosa, so was kannst auch nur Du bringen.“ Wigo lachte übers ganze Gesicht. Rosa gab keine Antwort und winkte müde ab. Dann nahm er seinen Koffer und ging die Strasse hinunter.

„Gehst Du zu Fuß zum Bahnhof, Rosa? Schick doch dann bitte ein Taxi zu uns rauf.“

Rosa murmelt etwas Unverständliches vor sich hin und was Wigo zu Luna sagte, konnte er nicht mehr hören, denn er war schon in Gedanken auf ’anderen Frequenzen’ seines Ich’s.

„Komm, alter Junge“, sagte seine innere Stimme zu ihm, „machen wir eine kleine Übung zur Aufmunterung der Psyche.“

„Das wird das Beste sein“, dachte er und blieb stehen, reckte und streckte sich wie nach einer morgendlichen Gymnastikstunde. Dann stellte er seinen Koffer auf dem Gehweg ab. Etwas unbeholfen setzte er sich auf seinen Koffer nieder.

„Hätte ich doch einen größeren mitgenommen, dann könnte ich jetzt bequemer sitzen“, stellte er fest. Bei diesem Gedanken legte er seinen rechten Innendaumen auf seinen rechten Nasenflügel, um ihn zuzuhalten.

Er atmete nun tief aber langsam durch die linke Nasenseite, zählte bis sieben, dann hielt er die Luft an, zählte abermals bis sieben, dann nahm er den Daumen von der rechten Nasenseite und hielt sich mit dem rechten Zeigefinger die linke Nasenseite zu, atmete durch die rechte Nasenseite aus. Das machte er dreimal hintereinander.

Dann erhob er sich, grinste in sich hinein und stellte sich an den Straßenrand, den Daumen hoch, bereit um per Anhalter mitgenommen zu werden.

 

Cisko – der seltsame Fahrer

Kurz darauf hielt ein alter schwarzer Polo. Der Fahrer kurbelte das Seitenfenster herunter und winkte Rosebär heran. Als der Professor sich dem Auto näherte, sagte der Fahrer etwas zu ihm, das die anderen zwei nicht hören konnten, dann aber hatte sich Rosebär mit dem Ellenbogen auf das heruntergekurbelte Autofenster gelehnt. Der Mann, der sie mitnehmen wollte, sah äußerlich ganz harmlos aus. Sein schulterlanges schwarzes Haar hatte er zu einem Pferdeschwanz gebunden, der wie ein schwarzer dünner Stock auf seinem Rücken ruhte. Gekleidet war er nur mit einem dünnen weißen Pulli und einer schwarzen Jeans. Die unrasierten Wangen gaben einen interessanten Kontrast zu seinen meergrünen Augen.

Rosebär konnte sich kaum vom Blick dieser Augen trennen, sie zogen ihn förmlich an, machten ihn fast sprachlos. Er fragte den Lenker, ob er sie mitnehmen könne und wies dabei mit der Hand auf Wigo und Luna. Der nickte nur mit dem Kopf und setzte ein bezauberndes Grinsen auf, das Rosebär so noch nicht gesehen hatte.

„Ach, so einer ist das...“, sinnierte Rosebär und zum ersten Mal beschlich ihm eine Art Verachtung, die er nie in dieser Art bei sich wahrgenommen hatte. Denn was sollte ihm die Lebensweise eines anderen Menschen angehen? Hoffentlich konnte der andere keine Gedanken lesen, das wäre bitter. Wie sehr er sich darin aber täuschen sollte, ahnte Rosebär natürlich noch nicht.

„Ja, kommt, springt rein!“ Rosebär winkte den beiden zu. Die begriffen sofort, dass sich eine Mitfahrtgelegenheit anbot und waren schon zur Stelle. Tolle Begrüßung, Namen wurden ausgetauscht, Hände geschüttelt und dann ging die Fahrt los.

„Cisko ist sicherlich eine Abkürzung von Francisko“, fragte der Professor. Er hatte wie so üblich sofort ein Gespräch angefangen.

„Ja, stimmt“, meinte der Polo-Fahrer. „Ich komme direkt aus England mit kleinem Abstecher nach Holland. Ich fahre jetzt auf diesem schönen Rijksweg dahin um euch einzusammeln.“

„Das ist aber nett gesagt“, erwiderte ihm Rosebär. „Na ja, ein Glück auch für uns, dass Sie diesen Weg genommen haben“, meinte Luna.

„Ja, vielleicht“, antwortete der andere.

„Nein, ganz bestimmt!“, fügte Wigo an und verlieh seiner Stimme einen schärferen Klang. „Wir saßen nämlich in einem schönen Taxi, aber dann kam etwas dazwischen und der Taxichauffeur fuhr lieber ohne uns weiter.“

 „Ja, so kann es gehen!“

„Wahrscheinlich will er keine Unterhaltung.“ Rosebär war etwas mit seinen Gedanken durcheinander und schwieg sich aus. Er schaute sich verstohlen um und bemerkte, dass die Windschutzscheibe mächtig dunkel getönt war. Die anderen waren genauso verdunkelt. „Was das wohl auf sich hat“, überlegte er, und die aberwitzigsten Gedanken schossen ihm durch den Kopf.

Der alte schwarze Polo fraß sich inzwischen Kilometer um Kilometer weiter der deutschen Grenze entgegen. „Wo darf ich Euch denn in Deutschland hinbringen?“, fragte der Fahrer plötzlich.

„Hinbringen?“ Rosebär war sehr erstaunt.

„Oh nein, wir wollen Ihnen keine Umstände machen“, beschwichtigte Wigo den hilfsbereiten Fahrer. „Wenn Sie uns in der nächst besten Stadt absetzen, sind wir Ihnen schon sehr dankbar dafür. Machen Sie sich nur keine Umstände wegen uns.“

Die Sonne war inzwischen ein Stück näher an die Mittagszeit herangerückt. Der schwarze Polo versuchte, in eine freigewordene Parklücke am Bahnhof von Arnhem einzuparken.

„Wollen Sie nicht erstmal nachschauen, wann der nächste Zug abfährt?“ Mit diesem Vorschlag lächelte Cisko den Professor zuvorkommend an.

„Ja, das ist eine gute Idee von Ihnen. Danke! Dann will ich mal...“

Umständlich schälte er sich aus dem Beifahrersitz, öffnete die Autotür und wälzte sich nach draußen.

Nach einem kurzen Augenblick stand Rosa dann wieder vor der Autotür. Cisko öffnete sie, Rosebär stieg nicht ein, er hielt mit der einen Hand die Autotür auf, stützte sich mit der anderen auf das Polodach und sagte zu den anderen, dass leider erst morgen ein Zug für sie abfahren würde.

„Das kann doch nicht sein?“, entgegnete ihm Wigo. „Solche schlechte Verbindungen soll es nach Deutschland geben? Na, ich glaube, ich informiere mich mal selbst.“ Er begann sich von hinten aus dem engen Sitz zu quälen.

„Also das ist das Höchste, Wigo, was Du hier jetzt veranstalten willst“, kreischte der Professor mit sich überschlagender Stimme. „Bitte, bitte, wie Du willst, erkundige Dich nur selbst, aber ab jetzt ohne mich! Ich lasse mich doch nicht wie ein kleines Kind von Dir behandeln, das nicht lesen kann?“

„Cisko, machen Sie doch bitte die Hecktür auf, ich möchte meinen Koffer haben.“

Wigo ließ sich zurück in den Autositz fallen und sagte erstmal gar nichts mehr. Mit offenen Mund starrte er ihn an und dachte: „Was ist denn mit Rosa los, wie geht der denn gereizt ab?“

„Na gut“, sagte er zu Rosa resigniert. „Nehmen wir uns ein Zimmer hier in der Gegend und morgen sehen wir dann weiter.

Unschlüssig blieb Rosa vor dem Auto stehen. Inzwischen hatte sich der Parkplatz verdunkelt. Schwarze Wolken hatten sich vor die Sonne geschoben und ein Windstoß wirbelte Staub und Papierfetzen hoch.

„Kommen Sie, Herr Professor, steigen Sie ein bevor ein Regenguss Ihnen den schönen Anzug versaut.“ Der Professor blieb zögernd am Auto stehen und schaute dann fragend nach oben.

„Ein Raumschiff habe ich nicht zu bieten, Herr Professor, aber wenn Sie möchten, dürfen Sie mich gerne nach Österreich begleiten.“

Rosebär schaute den Autobesitzer befremdend an! Konnte dieser etwa seine Gedanken lesen? Woher wusste er sonst, an was er eben gedacht hatte? War der hier womöglich denn kein ’gewöhnlicher’ Mensch? Ja, der musste etwas außergewöhnliches sein. Vielleicht gar einer von einem anderen Planeten. So was soll es mittlerweile hier auf Erden ja geben, dass Außerirdische neben uns wohnen, sozusagen unsere Nachbarn sind.

„Nun, Herr Professor, wie entscheiden Sie sich?“ Abwartend schaute der Polofahrer ihn an. „Na kommen Sie, Professor, steigen Sie ein, ich bringe Sie da hin, wo Sie wollen!“

Der Wind wurde heftiger und aus der Ferne hörte Rosebär ein ansteigendes Donnergrollen. „Ehe ich nass werde“, dachte er. Laut sagte der Professor dann: „Ja, ich komme gerne mit. Mal andere Gesichter sehen ist auch ganz schön.“

Er stieg ein und klappte die Autotür mit einem Ruck zu. Der Motor wurde gestartet und der Polo setzte sich in Bewegung.

Der Fahrer schaute in den Innenspiegel und suchte die Augen von Wigo. Ihre Blicke trafen sich und der Polofahrer sagte: „Selbstverständlich dürfen Sie und Ihre reizende Begleiterin auch mitkommen.“

Wigo antwortete nicht. „Wahrscheinlich wäre es auch besser, wenn sie sich für eine Weile trennen würden“, dachte er. Aber das wollte er nicht laut sagen, denn Rosa und Luna waren sehr gute Freunde und er wollte da nichts auseinander bringen, nein, das lag nicht in seinem Interesse, da müsste schon Luna oder Rosa selbst etwas dazu sagen. Er jedenfalls konnte sich entscheiden und das sagte er den anderen:

„Nein danke, sehr freundlich von Ihnen, aber ich werde doch nach Hause fahren. Man erwartet mich schon zurück.“

„Ja, natürlich! Ich verstehe! Bestimmt sehen wir uns einmal wieder. Man sagt ja, dass man sich im Leben zweimal sieht.” Wigo nickte zustimmend mit seinem Kopf.

Die Strasse vor ihnen verlief schnurgerade. Links und rechts an der Strasse waren Geschäfte die allerlei anzubieten hatten, so wie man es eben für eine Einkaufsmeile erwartet. In der Ferne sah Wigo die grüne Beschriftung „Hotel“.

„Ahm, ich würde an der nächsten Ecke gerne aussteigen“, sagte er zum Fahrer. „Geht das?“

„Ja natürlich“, erwiderte der Polofahrer und trat schon auf die Bremse, damit der Wagen langsam ausrollen konnte.

„Meldest Du Dich mal wieder bei mir, Luna?“

„Ja, Wigo. Ich ruf Dich per Handy an, wenn wir in Österreich sind. Vielleicht kommst Du ja nach, wenn du in Deutschland alles erledigt hast?“

„Ja, vielleicht, Luna. Mach’s gut, Rosa“, sagte er und klopfte dem Professor auf die Schulter, bevor er endlich aus dem Polo stieg.

 

In Österreich

Die Schönheit des Sternenhimmels über Österreich zeigte sich in seiner ganzen Fülle. Der Mond war schon aufgegangen. Rosebär sah eine Gestalt, die hinter den Büschen hockte. Der Mond schien so günstig, dass sich leicht erkennen ließ, dass es ein Mann war, der sie beobachtete.

Bevor Rosebär weiter darüber nachdenken konnte warum der Mann sie dort auflauerte, hörte er Cisko sagen: „Professor, passen Sie auf, hier wird der Weg ziemlich eng, und der Abhang ist sehr steil. Alles ist mit einer seltsamen Art von Schlingpflanzen bewachsen. Am besten Sie halten sich an den Ranken fest, dann können Sie einigermaßen aufrecht gehen.“

„Schlingpflanzen“, dachte Rosebär und grinste in sich hinein. „Hi, hi, ich sehe nur keine. Für den sind ein paar Bodendecker Grünpflanzen gleich südamerikanische Schlingpflanzen“, kicherte er.

„Hatten Sie etwas gesagt Professor?“

„Ich? Nein! Der hört das Gras wachsen“, dachte Rosa. Langsam und mühevoll einen Schritt nach dem anderen schlich Rosebär hinter dem anderen her.

„Sagen Sie mal, Cisko, dauert es noch lange bis wir zum Einstieg der Höhle kommen?“

Die Luft hier oben hatte sich etwas abgekühlt. Und wenn man so leicht bekleidet wie der Professor war, dann merkte man schon, wie die kalte Bergluft auf der ersten Haut brannte. Er hätte sich doch den dicken Pullover unter seiner Jacke anziehen sollen, aber er wusste alles wieder besser als Luna.

„Die sitzt jetzt bestimmt gemütlich auf dem Sofa und gönnt sich ein Schokoladeneis mit heißen Himbeeren... Und ich friere mir ’einen Ast’ hier oben ab. Und alles nur, weil ich nicht bis Morgenfrüh warten wollte.“

„Tut mir leid, dass Ihnen kalt ist, Professor.”

“Mmmh“, konnte der Professor nur noch durch die Kehle summen. Für mehr war er nicht imstande, so erstaunt und zugleich erschrocken war er. Wie konnte Cisko wissen, dass ihm kalt war?

„Wir sind da, Professor!“

Cisko war zur Seite getreten und machte Platz für den Professor. Rosebär fokussierte seinen Blick auf den Eingang der Höhle.

Dann plötzlich traf etwas Hartes seinen Kopf. Er verlor den Halt. Seine Hände griffen automatisch nach vorn, um sich an irgendetwas festhalten zu können. Aber er fiel zu Boden wie ein gefällter Baum im Regenwald.

„Haben Sie sich wehgetan, Professor?“, fragte Francisko den Professor mitfühlend. Während sich Rosebär aufrappelte, brummte er zwischen seinen Zähnen etwas hindurch, das sich anhörte, wie das Knurren eines gereizten Hundes.

„Ach, es geht schon“, meinte er beschwichtigend. „Sehen Sie mal her, Cisko.“

Rosebär zeigte ihm einen mittelgroßen Stein, den er aufgehoben hatte.

„Das könnte von dem herkommen, der uns beobachtete, als wir hier nach oben gingen“, meinte Cisko.

„Wie? Sie haben den Typen auch hinter den Büschen lauern sehen?”

„Ja“, antwortete Cisko.

„Interessant“, sagte Rosebär und seine Gedanken unternahmen eine Reise fernab aller Zivilisationen. „Mein Schädel brummt, wie eine Armee Presslufthammer, die im Akkord arbeiten“, stellte er fest und hielt sich mit beiden Händen den Kopf fest.

„Zeigen Sie mal her, wo der Stein Sie getroffen hat.”

Francisko besah sich die Stelle und legte seine Fingerspitzen nur für einen Moment auf seinem Kopf.

„Oh, es wird wundersam heiß in mir!“ Rosebär lachte erleichtert auf. „Der Schmerz ist weg, der Schmerz ist weg! Wie haben Sie das gemacht?

„Na, ist egal. Kommen Sie, wir gehen ins Dorf zurück.“ Mit eiligen Schritten gingen sie den Berg hinab und fuhren den Weg zurück nach Salzburg.

 

Fortsetzung folgt