Wigo
- Die Liebe stirbt zuletzt!
von
Marleen van Barneveld
(zurück
Folge 1) *
* (zurück
Folge 2) *
* (zurück
Folge 3)
(zurück
Folge 4) * *
(zurück
Folge 5) *
* (zurück
Folge 6)
(zurück
Folge 7)
* * (zurück
Folge 8)
* * (zurück
Folge 9)
(zurück Folge 10)
* * (zurück
Folge 11)
* * (zurück
Folge 12)
(zurück
Folge 13)
* * (zurück
Folge 14)
* * (zurück
Folge 15)
(zurück
Folge 16)
* * (zurück
Folge 17)
* * (zurück
Folge 18)
(zurück
Folge 19)
* * (zurück
Folge 20)
* * (zurück
Folge 21) * *
(zurück Folge
22)
(zurück
Folge 23) Folge 24
(vor
Folge 25)
Nach
einem ereignisreichen Aufenthalt auf Gut Kernhem in Holland,
wollen unsere drei Freunde nun nach Österreich reisen. Doch
nicht alle werden dort ankommen, denn durch die etwas spektakuläre
Abreise mit einem Taxi und durch das Kennenlernen von Cisko
- ein etwas seltsamer Polofahrer, der sie mitnahm - nehmen
die Ereignisse einen anderen Verlauf.
Die
Abreise
Das
Taxi war gekommen. Wigo, Rosa und Luna stiegen ein, schlossen
die Türen und drehten wie auf Kommando ihre Hälse nach rechts,
hoben die rechte Hand als letzten Gruß für Evert und Jannie
van de Veluwe, dann rollte das Taxi gemächlich die Auffahrt
hinunter.
Auf
der Strasse nach Arnhem hatte das Taxi schnell an Fahrt
gewonnen. Der Motor des Mercedes schnurrte leise vor sich
hin als Rosebär unvermittelt sagte: „Schade, dass wir
nicht länger geblieben sind.“
Niemand
gab eine Antwort, jeder hing wohl seinen eigenen Gedanken
nach. „Dann nicht...“, dachte er. „Demnächst
schalte ich auch auf ’Durchzug’.“ Rosebär seufzte, schloss
seine Augen und legte die Arme über seine Brust. Und damit
sie nicht abrutschten, faltete er seine Hände wie zum Gebet.
Er grinste in sich hinein als er daran dachte, wie… Weiter
kam er nicht mit seinen Gedanken.
Ein
dumpfer Aufprall von hinten stieß seinen entspannten Oberkörper
nach vorne. Nur weil er angeschnallt war, machte er keine
Bekanntschaft mit dem Armaturenbrett. „Das hätte mir
glatt ein paar Rippen gebrochen“, überlegte er
noch, als der zweite Aufprall erfolgte.
Während
der Chauffeur in den Rückspiegel schaute, verlangsamte der
Mercedes sein Tempo. Rosebär drehte in Zeitlupe seinen Kopf
nach links um zu sehen, welcher Irre an diesem schönen Morgen
sie aufs Korn genommen hatte. Nichts als nur eine schwarze
Wand war zu sehen. Sprachlos schaute er den Chauffeur an,
der stoisch geradeaus blickte und seine Hände verkrampft
ums Lenkrad geschlossen hatte.
„Der
ist wohl weggetreten“, dachte Rosebär, „der fährt
ja nur noch automatisch?“
Er
verdrehte seinen Hals bis nach hinten und sah direkt in
die Gesichter von Wigo und Luna. Sein Mund verzog sich zu
einem breiten Grinsen, dann nickte er mehrmals mit seinem
Kopf und drehte sich wieder um.
„Hihi“,
lachte er in sich hinein. „Sie dachten wohl ich würde
was fragen, haha, da können die lange warten, ich nicht
mehr.“ Rosebär blickte aufs Tacho des Taxis. Sie fuhren
wieder 120 km/h, mehr war auf Hollands Strassen auch nicht
erlaubt.
Dann
rollte er heran ... der große schwarze Transporter. Eine
zeitlang fuhren sie auf gleicher Höhe. Dann plötzlich donnerte
er rechts an ihnen vorbei, die Sicht nach vorn abschneidend
zog er unbeirrt vor ihnen her. Durch die Windschutzscheibe
sah Rosebär das Verkehrsschild: Abfahrt Arnhem 5 km, Pfeil
rechts.
Der
Taxichauffeur setzte zum Überholen an. Rosebär schaute den
Driver von der Seite an und dachte: „Was ist denn jetzt
mit dem los? Wieso zuckelt der nicht auch noch die letzten
paar Kilometer hinter dem her?“
Unbehaglich
rutschte er auf seinem Sitz nach vorn. Am liebsten würde
er sich klein machen wie Ginny und ins Handschuhfach verschwinden
bis sie in Arnhem am Bahnhof angekommen waren. „Dass
man auch nicht mal einen Wunsch frei haben kann“, dachte
er, „...wenigstens in solchen Situationen“.
Das
Taxi war gerade auf mittlerer Höhe mit dem Transporter,
als dieser nach links ausscherte. Der Chauffeur trat das
Gaspedal durch und knallte seine Hand auf die Hupe, die
er wie im Morsetakt benutzte, daraufhin zog der schwarze
Transporter noch mehr nach links. „Verdammt noch mal,
nehmen Sie doch das Gas weg“, brüllte er den Taxifahrer
auf Englisch an.
„Wie
kann man nur so borniert sein und Gas geben, Du hast Deinen
Führerschein wohl auf dem Jahrmarkt gewonnen?“
Der
Taxifahrer nahm abrupt den Fuß vom Gaspedal. Der Mercedes
geriet für ein paar Sekunden aus dem Takt und kam ins schleudern,
dann aber hatte der Driver wieder die Gewalt über sein Fahrzeug,
und sie fuhren wie gehabt, hinter dem schwarzen Transporter
her.
Entnervt
lehnte sich Rosebär in seinen Autositz zurück. „Das hört
wohl nie auf, dass die Man in Black uns ans Leder wollen,
so langsam aber sicher werde ich mich doch lieber meiner
Schmetterlingssammlung hinwenden. Warum sollte ich mich
auf meine alten Tage noch mit solchen Dingen wie diesen
abgeben. Es gibt doch weit Schöneres auf der Welt als Schnipperspiele!?
Und dann habe ich diesen Typen auch noch ganz fürchterlich
abgeblafft. Ich werd dem ein saftiges Trinkgeld geben und
mich auch bei ihm entschuldigen. Das mit dem gewonnenen
Führerschein war schon ein starkes Stück von mir, das hätte
ich nicht sagen sollen.“
Bei
diesem Gedanken heraus schaute er mit zusammengekniffenen,
spaltbreiten Augenlidern den Taxichauffeur an und überlegte:
„Der scheint die Ruhe weg zu haben!“
Langsam
rollte das Taxi aus. Rosebär hatte gar nicht bemerkt, dass
der Driver rechts an die Straßenseite herangefahren war.
Das Taxi stoppte, der Chauffeur, dem es scheinbar zuviel
geworden war, stieg aus, öffnete den Kofferraum und stellte
die Reisetaschen an den Straßenrand. Dann ging er zu den
Autotüren, riss sie auf, nickte mit dem Kopf und zeigte
per winkenden Daumen, dass alle aussteigen sollten.
Da
standen sie nun mit ihren gepackten Koffern an der Strasse.
Als das Taxi wieder anfuhr, ging die Hupe wie eine Sirene
los. Rosebär konnte sehen, wie der Chauffeur übers ganze
Gesicht lachte und mit der freien Hand hinter seinem Kopf
winkte. „Wicht!“, war das einzige, was Rosebär noch
dachte, als das Taxi mit enormer Geschwindigkeit wegsauste.
„Da
hast Du Dir ja ein hübsches Ding geleistet, Junge, Junge,
Rosa, so was kannst auch nur Du bringen.“ Wigo lachte übers
ganze Gesicht. Rosa gab keine Antwort und winkte müde ab.
Dann nahm er seinen Koffer und ging die Strasse hinunter.
„Gehst
Du zu Fuß zum Bahnhof, Rosa? Schick doch dann bitte ein
Taxi zu uns rauf.“
Rosa
murmelt etwas Unverständliches vor sich hin und was Wigo
zu Luna sagte, konnte er nicht mehr hören, denn er war schon
in Gedanken auf ’anderen Frequenzen’ seines Ich’s.
„Komm,
alter Junge“, sagte seine innere Stimme zu ihm, „machen
wir eine kleine Übung zur Aufmunterung der Psyche.“
„Das
wird das Beste sein“, dachte er und blieb stehen, reckte
und streckte sich wie nach einer morgendlichen Gymnastikstunde.
Dann stellte er seinen Koffer auf dem Gehweg ab. Etwas unbeholfen
setzte er sich auf seinen Koffer nieder.
„Hätte
ich doch einen größeren mitgenommen, dann könnte ich jetzt
bequemer sitzen“, stellte er fest. Bei diesem Gedanken
legte er seinen rechten Innendaumen auf seinen rechten Nasenflügel,
um ihn zuzuhalten.
Er
atmete nun tief aber langsam durch die linke Nasenseite,
zählte bis sieben, dann hielt er die Luft an, zählte abermals
bis sieben, dann nahm er den Daumen von der rechten Nasenseite
und hielt sich mit dem rechten Zeigefinger die linke Nasenseite
zu, atmete durch die rechte Nasenseite aus. Das machte er
dreimal hintereinander.
Dann
erhob er sich, grinste in sich hinein und stellte sich an
den Straßenrand, den Daumen hoch, bereit um per Anhalter
mitgenommen zu werden.
Cisko
– der seltsame Fahrer
Kurz
darauf hielt ein alter schwarzer Polo. Der Fahrer kurbelte
das Seitenfenster herunter und winkte Rosebär heran. Als
der Professor sich dem Auto näherte, sagte der Fahrer etwas
zu ihm, das die anderen zwei nicht hören konnten, dann aber
hatte sich Rosebär mit dem Ellenbogen auf das heruntergekurbelte
Autofenster gelehnt. Der Mann, der sie mitnehmen wollte,
sah äußerlich ganz harmlos aus. Sein schulterlanges schwarzes
Haar hatte er zu einem Pferdeschwanz gebunden, der wie ein
schwarzer dünner Stock auf seinem Rücken ruhte. Gekleidet
war er nur mit einem dünnen weißen Pulli und einer schwarzen
Jeans. Die unrasierten Wangen gaben einen interessanten
Kontrast zu seinen meergrünen Augen.
Rosebär
konnte sich kaum vom Blick dieser Augen trennen, sie zogen
ihn förmlich an, machten ihn fast sprachlos. Er fragte den
Lenker, ob er sie mitnehmen könne und wies dabei mit der
Hand auf Wigo und Luna. Der nickte nur mit dem Kopf und
setzte ein bezauberndes Grinsen auf, das Rosebär so noch
nicht gesehen hatte.
„Ach,
so einer ist das...“, sinnierte Rosebär und zum ersten
Mal beschlich ihm eine Art Verachtung, die er nie in dieser
Art bei sich wahrgenommen hatte. Denn was sollte ihm die
Lebensweise eines anderen Menschen angehen? Hoffentlich
konnte der andere keine Gedanken lesen, das wäre bitter.
Wie sehr er sich darin aber täuschen sollte, ahnte Rosebär
natürlich noch nicht.
„Ja,
kommt, springt rein!“ Rosebär winkte den beiden zu. Die
begriffen sofort, dass sich eine Mitfahrtgelegenheit anbot
und waren schon zur Stelle. Tolle Begrüßung, Namen wurden
ausgetauscht, Hände geschüttelt und dann ging die Fahrt
los.
„Cisko
ist sicherlich eine Abkürzung von Francisko“, fragte
der Professor. Er hatte wie so üblich sofort ein Gespräch
angefangen.
„Ja,
stimmt“, meinte der Polo-Fahrer. „Ich komme direkt aus England
mit kleinem Abstecher nach Holland. Ich fahre jetzt auf
diesem schönen Rijksweg dahin um euch einzusammeln.“
„Das
ist aber nett gesagt“, erwiderte ihm Rosebär. „Na ja,
ein Glück auch für uns, dass Sie diesen Weg genommen haben“,
meinte Luna.
„Ja,
vielleicht“, antwortete der andere.
„Nein,
ganz bestimmt!“, fügte Wigo an und verlieh seiner Stimme
einen schärferen Klang. „Wir saßen nämlich in einem schönen
Taxi, aber dann kam etwas dazwischen und der Taxichauffeur
fuhr lieber ohne uns weiter.“
„Ja,
so kann es gehen!“
„Wahrscheinlich
will er keine Unterhaltung.“ Rosebär war etwas mit seinen
Gedanken durcheinander und schwieg sich aus. Er schaute
sich verstohlen um und bemerkte, dass die Windschutzscheibe
mächtig dunkel getönt war. Die anderen waren genauso verdunkelt.
„Was das wohl auf sich hat“, überlegte er, und die
aberwitzigsten Gedanken schossen ihm durch den Kopf.
Der
alte schwarze Polo fraß sich inzwischen Kilometer um Kilometer
weiter der deutschen Grenze entgegen. „Wo darf ich Euch
denn in Deutschland hinbringen?“, fragte der Fahrer plötzlich.
„Hinbringen?“
Rosebär war sehr erstaunt.
„Oh
nein, wir wollen Ihnen keine Umstände machen“, beschwichtigte
Wigo den hilfsbereiten Fahrer. „Wenn Sie uns in der nächst
besten Stadt absetzen, sind wir Ihnen schon sehr dankbar
dafür. Machen Sie sich nur keine Umstände wegen uns.“
Die
Sonne war inzwischen ein Stück näher an die Mittagszeit
herangerückt. Der schwarze Polo versuchte, in eine freigewordene
Parklücke am Bahnhof von Arnhem einzuparken.
„Wollen
Sie nicht erstmal nachschauen, wann der nächste Zug abfährt?“
Mit diesem Vorschlag lächelte Cisko den Professor zuvorkommend
an.
„Ja,
das ist eine gute Idee von Ihnen. Danke! Dann will ich mal...“
Umständlich
schälte er sich aus dem Beifahrersitz, öffnete die Autotür
und wälzte sich nach draußen.
Nach
einem kurzen Augenblick stand Rosa dann wieder vor der Autotür.
Cisko öffnete sie, Rosebär stieg nicht ein, er hielt mit
der einen Hand die Autotür auf, stützte sich mit der anderen
auf das Polodach und sagte zu den anderen, dass leider erst
morgen ein Zug für sie abfahren würde.
„Das
kann doch nicht sein?“, entgegnete ihm Wigo. „Solche schlechte
Verbindungen soll es nach Deutschland geben? Na, ich glaube,
ich informiere mich mal selbst.“ Er begann sich von hinten
aus dem engen Sitz zu quälen.
„Also
das ist das Höchste, Wigo, was Du hier jetzt veranstalten
willst“, kreischte der Professor mit sich überschlagender
Stimme. „Bitte, bitte, wie Du willst, erkundige Dich
nur selbst, aber ab jetzt ohne mich! Ich lasse mich doch
nicht wie ein kleines Kind von Dir behandeln, das nicht
lesen kann?“
„Cisko,
machen Sie doch bitte die Hecktür auf, ich möchte meinen
Koffer haben.“
Wigo
ließ sich zurück in den Autositz fallen und sagte erstmal
gar nichts mehr. Mit offenen Mund starrte er ihn an und
dachte: „Was ist denn mit Rosa los, wie geht der denn gereizt
ab?“
„Na
gut“, sagte er zu Rosa resigniert. „Nehmen wir uns ein Zimmer
hier in der Gegend und morgen sehen wir dann weiter.
Unschlüssig
blieb Rosa vor dem Auto stehen. Inzwischen hatte sich der
Parkplatz verdunkelt. Schwarze Wolken hatten sich vor die
Sonne geschoben und ein Windstoß wirbelte Staub und Papierfetzen
hoch.
„Kommen
Sie, Herr Professor, steigen Sie ein bevor ein Regenguss
Ihnen den schönen Anzug versaut.“ Der Professor blieb zögernd
am Auto stehen und schaute dann fragend nach oben.
„Ein
Raumschiff habe ich nicht zu bieten, Herr Professor, aber
wenn Sie möchten, dürfen Sie mich gerne nach Österreich
begleiten.“
Rosebär
schaute den Autobesitzer befremdend an! Konnte dieser etwa
seine Gedanken lesen? Woher wusste er sonst, an was er eben
gedacht hatte? War der hier womöglich denn kein ’gewöhnlicher’
Mensch? Ja, der musste etwas außergewöhnliches sein. Vielleicht
gar einer von einem anderen Planeten. So was soll es mittlerweile
hier auf Erden ja geben, dass Außerirdische neben uns wohnen,
sozusagen unsere Nachbarn sind.
„Nun,
Herr Professor, wie entscheiden Sie sich?“ Abwartend schaute
der Polofahrer ihn an. „Na kommen Sie, Professor, steigen
Sie ein, ich bringe Sie da hin, wo Sie wollen!“
Der
Wind wurde heftiger und aus der Ferne hörte Rosebär ein
ansteigendes Donnergrollen. „Ehe ich nass werde“,
dachte er. Laut sagte der Professor dann: „Ja, ich komme
gerne mit. Mal andere Gesichter sehen ist auch ganz schön.“
Er
stieg ein und klappte die Autotür mit einem Ruck zu. Der
Motor wurde gestartet und der Polo setzte sich in Bewegung.
Der
Fahrer schaute in den Innenspiegel und suchte die Augen
von Wigo. Ihre Blicke trafen sich und der Polofahrer sagte:
„Selbstverständlich dürfen Sie und Ihre reizende Begleiterin
auch mitkommen.“
Wigo
antwortete nicht. „Wahrscheinlich wäre es auch besser, wenn
sie sich für eine Weile trennen würden“, dachte er. Aber
das wollte er nicht laut sagen, denn Rosa und Luna waren
sehr gute Freunde und er wollte da nichts auseinander bringen,
nein, das lag nicht in seinem Interesse, da müsste schon
Luna oder Rosa selbst etwas dazu sagen. Er jedenfalls konnte
sich entscheiden und das sagte er den anderen:
„Nein
danke, sehr freundlich von Ihnen, aber ich werde doch nach
Hause fahren. Man erwartet mich schon zurück.“
„Ja,
natürlich! Ich verstehe! Bestimmt sehen wir uns einmal wieder.
Man sagt ja, dass man sich im Leben zweimal sieht.” Wigo
nickte zustimmend mit seinem Kopf.
Die
Strasse vor ihnen verlief schnurgerade. Links und rechts
an der Strasse waren Geschäfte die allerlei anzubieten hatten,
so wie man es eben für eine Einkaufsmeile erwartet. In der
Ferne sah Wigo die grüne Beschriftung „Hotel“.
„Ahm,
ich würde an der nächsten Ecke gerne aussteigen“, sagte
er zum Fahrer. „Geht das?“
„Ja
natürlich“, erwiderte der Polofahrer und trat schon auf
die Bremse, damit der Wagen langsam ausrollen konnte.
„Meldest
Du Dich mal wieder bei mir, Luna?“
„Ja,
Wigo. Ich ruf Dich per Handy an, wenn wir in Österreich
sind. Vielleicht kommst Du ja nach, wenn du in Deutschland
alles erledigt hast?“
„Ja,
vielleicht, Luna. Mach’s gut, Rosa“, sagte er und klopfte
dem Professor auf die Schulter, bevor er endlich aus dem
Polo stieg.
In
Österreich
Die
Schönheit des Sternenhimmels über Österreich zeigte sich
in seiner ganzen Fülle. Der Mond war schon aufgegangen.
Rosebär sah eine Gestalt, die hinter den Büschen hockte.
Der Mond schien so günstig, dass sich leicht erkennen ließ,
dass es ein Mann war, der sie beobachtete.
Bevor
Rosebär weiter darüber nachdenken konnte warum der Mann
sie dort auflauerte, hörte er Cisko sagen: „Professor, passen
Sie auf, hier wird der Weg ziemlich eng, und der Abhang
ist sehr steil. Alles ist mit einer seltsamen Art von Schlingpflanzen
bewachsen. Am besten Sie halten sich an den Ranken fest,
dann können Sie einigermaßen aufrecht gehen.“
„Schlingpflanzen“,
dachte Rosebär und grinste in sich hinein. „Hi, hi, ich
sehe nur keine. Für den sind ein paar Bodendecker Grünpflanzen
gleich südamerikanische Schlingpflanzen“, kicherte er.
„Hatten
Sie etwas gesagt Professor?“
„Ich?
Nein! Der hört das Gras wachsen“, dachte Rosa. Langsam
und mühevoll einen Schritt nach dem anderen schlich Rosebär
hinter dem anderen her.
„Sagen
Sie mal, Cisko, dauert es noch lange bis wir zum Einstieg
der Höhle kommen?“
Die
Luft hier oben hatte sich etwas abgekühlt. Und wenn man
so leicht bekleidet wie der Professor war, dann merkte man
schon, wie die kalte Bergluft auf der ersten Haut brannte.
Er hätte sich doch den dicken Pullover unter seiner Jacke
anziehen sollen, aber er wusste alles wieder besser als
Luna.
„Die
sitzt jetzt bestimmt gemütlich auf dem Sofa und gönnt sich
ein Schokoladeneis mit heißen Himbeeren... Und ich friere
mir ’einen Ast’ hier oben ab. Und alles nur, weil ich nicht
bis Morgenfrüh warten wollte.“
„Tut
mir leid, dass Ihnen kalt ist, Professor.”
“Mmmh“,
konnte der Professor nur noch durch die Kehle summen. Für
mehr war er nicht imstande, so erstaunt und zugleich erschrocken
war er. Wie konnte Cisko wissen, dass ihm kalt war?
„Wir
sind da, Professor!“
Cisko
war zur Seite getreten und machte Platz für den Professor.
Rosebär fokussierte seinen Blick auf den Eingang der Höhle.
Dann
plötzlich traf etwas Hartes seinen Kopf. Er verlor den Halt.
Seine Hände griffen automatisch nach vorn, um sich an irgendetwas
festhalten zu können. Aber er fiel zu Boden wie ein gefällter
Baum im Regenwald.
„Haben
Sie sich wehgetan, Professor?“, fragte Francisko den Professor
mitfühlend. Während sich Rosebär aufrappelte, brummte er
zwischen seinen Zähnen etwas hindurch, das sich anhörte,
wie das Knurren eines gereizten Hundes.
„Ach,
es geht schon“, meinte er beschwichtigend. „Sehen
Sie mal her, Cisko.“
Rosebär
zeigte ihm einen mittelgroßen Stein, den er aufgehoben hatte.
„Das
könnte von dem herkommen, der uns beobachtete, als wir hier
nach oben gingen“, meinte Cisko.
„Wie?
Sie haben den Typen auch hinter den Büschen lauern sehen?”
„Ja“,
antwortete Cisko.
„Interessant“,
sagte Rosebär und seine Gedanken unternahmen eine Reise
fernab aller Zivilisationen. „Mein Schädel brummt, wie
eine Armee Presslufthammer, die im Akkord arbeiten“, stellte
er fest und hielt sich mit beiden Händen den Kopf fest.
„Zeigen
Sie mal her, wo der Stein Sie getroffen hat.”
Francisko
besah sich die Stelle und legte seine Fingerspitzen nur
für einen Moment auf seinem Kopf.
„Oh,
es wird wundersam heiß in mir!“ Rosebär lachte erleichtert
auf. „Der Schmerz ist weg, der Schmerz ist weg! Wie haben
Sie das gemacht?
„Na,
ist egal. Kommen Sie, wir gehen ins Dorf zurück.“ Mit
eiligen Schritten gingen sie den Berg hinab und fuhren den
Weg zurück nach Salzburg.
Fortsetzung
folgt