Wigo
- Die Liebe stirbt zuletzt!
von
Marleen van Barneveld
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24)
Nachdem
unsere Freunde zusammen mit Lissa – einer näheren Bekanntschaft
von Professor Rosebär – in Holland angekommen sind, lernen
sie das edle Gut Kernhem näher kennen. Doch die Erholung
auf dem Gutshof finden schnell ihr Ende, nachdem Luna per
Zufall eine Spiegeltür entdeckt, die sich in ihrem Zimmer
befindet...
Die
Spiegeltüre in eine fremde Welt
Als
Luna am Spiegel stand um ihn zu öffnen, hörte sie ein leises
Klopfen an ihrer Zimmertür. Wigo’s stimme flüsterte leise
ihren Namen. Unschlüssig, wie sie sich verhalten solle,
hörte sie, wie er die Türklinke drückte und nochmals ihren
Namen leise rief. „Er wird wohlmöglich noch die anderen
wach machen“, dachte sie und eilte deshalb schnell zur Tür.
Kurz entschlossen öffnete sie die Tür und zog ihn am Ärmel
zu sich herein. Wortlos ging sie zum Spiegel und betätigte
den geheimen Knopf im Ornament. Die Tür sprang mit einem
leisen Knarren auf.
„Wenn
du schon mal hier bist, Wigo“, meinte sie resignierend,
„darfst du mich auch begleiten.“
Erstaunt
blickte er sie an. „Wie hast du denn das herausgefunden?“
„Gar
nicht“, erwiderte sie mit einem Lächeln im Gesicht, „es
war einfach Zufall.“
„Warum
hast du vorhin nichts davon erzählt, als wir noch alle zusammen
waren, ja das würde ich ganz gerne mal von dir wissen?“
„Vielleicht
später einmal, jetzt lass’ uns mal nachsehen, was uns hinter
dieser geheimnisvollen Türe erwartet.“
Sie
drehte sich zur Seite und nahm von einem kleinen Tischchen
den siebenarmigen Kerzenständer herunter. Die Kerzen brannten
ruhig. Erst als sie vorsichtig die ersten Stufen der Wendeltreppe
hinunter gingen, fingen die Kerzen etwas an zu flackern.
Es
war heiß und trocken hier unten. Die Luft war wie tot. Wigo,
der stumm neben Luna ging, spürte die elektrische Spannung,
die sie ausstrahlte, eine verhaltene Kraft, die seine Nerven
vibrieren ließ. Sein Atem ging hastig. „Auf was lass’ ich
mich da wieder ein“, grübelte er nach! Aber seine Neugier
trieb ihn dazu, weiter zu gehen. Gedanken kamen in ihm hoch,
an die er seit Jahren nicht mehr gedacht hatte. Bemüht,
sich seine Nervosität nicht anmerken zu lassen, ging er
neben ihr weiter.
Die
Kapuzenträger
Ihre
Schritte verklangen lautlos in dem unterirdischen Gang.
Die Wände waren mit Staub bedeckt. Dicke Spinnenweben hingen
in den Ecken. Lautlos gingen sie weiter und kamen an eine
zweite Treppe, noch weiter nach unten führte. Luna ging
mit traumwandlerischer Sicherheit die Stufen hinunter. Es
roch muffig und feucht. Vereinzelt hörte er ein schwaches
Knistern. Er konnte es nicht orten und wurde auch schon
im selben Augenblick von einer schattenhaften Gestalt schwach
angerempelt, die plötzlich an ihnen vorbeischlüpfte.
Überaus
merkwürdig war das fahle Licht, das den Gang beleuchtete.
Irgendwo musste es herkommen.
Noch
etwas in Gedanken hörte sie die stimme Wigo’s hinter sich,
als er ihr ins Ohr flüsterte: „Woher kommt denn jetzt die
Helligkeit hier unten her? Besser ist, du machst die Kerzen
aus!“
Die
Kerzen waren ziemlich abgebrannt. „Das ist schon merkwürdig“,
dachte sie und blies den Rest der Kerzen aus. Den Kerzenständer
stellte sie kurzerhand einfach rechts an die Mauer. Als
sie weitergingen sahen sie am Ende des Ganges eine mit Gold
beschlagene Holztür im romanischen Stiel. Sie gingen darauf
zu und sahen noch im letzten Moment, wie aus einem Seitengang
eine Gestalt in einem schwarzen Mantel mit Kapuze auf die
Tür zusteuerte. An seinen Schritten konnte man hören, dass
er sich bemühte, leise aufzutreten. Sie drückten sich eng
an die gegenüberliegende Wand und blieben still stehen.
Dann
hörten sie Klopfzeichen in einem merkwürdigen Rhythmus.
Von irgendwoher antwortete eine hohe Stimme in unverständlichen
Zischlauten. Dann sprang die Tür lautlos nach innen auf
und der Mann im schwarzen Mantel ging hinein.
Stumm
und wissend sahen sich Luna und Wigo an. Schnell aber leise
liefen sie nun zu der merkwürdigen Türe. „Noch können wir
umkehren...“, sagte er zu ihr, „...noch ist nichts passiert!“
Abwartend
schaute er sie an. Stumm nickte sie ihm zu. „Los“, sagte
sie kurz, „ich will es wissen!“
Wigo
klopfte im selben merkwürdigen Rhythmus an die Türe wie
sein Vormann. Wieder ging sie wie von Zauberhand auf. Vorsichtig,
den Atem anhaltend, traten sie in einen seltsam düsteren
Raum. Bläuliches Licht füllte den Raum, der mittelgroß war.
Dieses bläuliche Licht war wie Nebel, der durch den ganzen
Raum zog und der weiter oben im Raum eine graue Farbe annahm.
Der Boden unter ihren Füssen war aus Kristall und in ihm
bewegten sich kleine Partikelchen von Goldglimmer. Dieselben
Goldglimmer befanden sich auch an den Wänden, allerdings
waren diese nur aus grauem Stein. Die wie Nebelschwaden
herumlaufenden Gestalten, die man erkennen konnte, waren
ebenfalls grau, hatten aber diesen Goldglimmer auf ihren
Mänteln nicht.
Dann
sahen sie Lissa!
Ja,
welche Überraschung, da war Lissa! Lissa, die mit ihnen
zusammen hierher nach Holland gereist war! Ihre Gestalt
war wie aus Stein gemeißelt. Sie saß unbeweglich und starr
auf einem hohen Podest am Ende der Halle. Und eine kleine
Echse aus farbigem Licht schien über ihrem Kopf zu schweben.
Ihre Hände hatte sie über die Brust gekreuzt. Träumten sie
oder war es die Wirklichkeit, was sie sahen?!
Halb
hinter einer Säule verborgen stand aufrecht ein Mann und
beobachtete die beiden Besucher verstohlen.
Wigo
fühlte, dass sie beobachtet wurden. Er suchte mit seinen
Augen die Halle ab. Dann trafen sich die Augen von Wigo
und die scharfen Augen der Gestalt! Wigo spürte tief in
seinem Innern, dass er diese Augen kannte. Er schaute zu
Luna und flüsterte ihr etwas ins Ohr.
Gemeinsam
gingen sie zu der Gestalt, die hinter der Säule stand. Es
war ein großer Mann und überragte selbst den hoch gewachsenen
Wigo noch gut um zwei Köpfe. Fest und muskulös waren seine
breiten Schultern, stark genug um einen Stier zu Boden zu
zwingen, wenn es darauf ankäme. Die Kapuze, die auf seinen
Schultern zurückgeschlagen war, enthüllte einen schmalen
Kopf. Seine braunen Augen verdunkelten sich und ließen einen
Schatten des Hasses erahnen.
Wie
hypnotisiert drehte sich Luna dann um und schaute direkt
in die eisblauen Augen von Lissa. In ihren Augen flackerte
ein eigenartiges Licht. Luna erkannte ihre erschreckenden
Fähigkeiten, aber sie jagten ihr keine Angst ein. Lissa
genoss sichtlich das Kräftemessen zwischen Luna und ihr.
Wie
von einer tiefen Woge nach oben getragen, tauchte plötzlich
das Bild einer Eidechsenfrau in ihren Gedanken auf. Sie
spürte Kälte, die wie ein Heer von beißenden Ameisen ihren
Rücken hoch lief. Ganz langsam verwischte sich das Bildnis
der Gestalt, die auf dem Thron saß und zurück blieb nichts
weiter als verschleierte Nebelschwaden, die auf und ab wabberten.
Dann hörte sie die Stimme des Kapuzenträgers sagen:
„Wir
besitzen die Macht uns bestimmte Naturkräfte zu Dienste
zu machen!“
Die
Stimme Luna’s war leise als sie zu ihm sagte: „Wir Menschen
setzen unsere Macht zum Wohle aller ein, selbst derer, die
unsere Feinde sind.“
„Jeder
wird mit einem Vorrat an Wissen geboren“, erwiderte
er und sprach in einem leiernden Tonfall weiter: „Die
Dinge, die wir lernen bereit zu sein, schlagen mitunter
Funken, die Funken erzeugen Feuer und die Feuer erhellen
die Dunkelheit, in der sich viele Dinge bewegen, die das
Licht niemals gesehen hat und nie dazu fähig sein wird,
es je zu sehen.“
Sein
Blick verschleierte sich mehr und mehr, er sprach: „Wir
sind nicht so romantisch wie das Erdenvolk was unsere Weltanschauung
angeht. Wir erkennen nur das an, was messbar und im Experiment
nachvollziehbar ist.“ Dann seufzte er: „Wir wollten
immer nur das Gute, nie das Böse. Vielleicht musste deshalb
alles so geschehen seit Äonen.“
„Hör’
doch auf zu labern“, dachte Wigo und konnte sich seine Wut
kaum verkneifen. Ungeduldig erwiderte er ihm: „Das ist alles
eine Frage der Definition, alter Freund!“
„Ihr
Erdenwürmer solltet euch mal Gedanken machen über die Größe,
die wir im Universum präsentieren!“ Ironisch starrte
er Wigo an, wie ein Reptil, das auf seine Beute fixiert
ist.
„Das
sehe ich anders“, knurrte Wigo zurück und zog Luna mit sich
fort. Er gab sich keinen Illusionen hin. Die Men in Black
kannten ihn. Sie wussten meistens, wo er sich aufhielt,
er konnte ihnen nicht entkommen. Soviel stand jedenfalls
fest. Aber jetzt musste er erstmal hier raus. Nur wie, das
wusste er im Moment noch nicht. Die Sache wurde mittlerweile
ziemlich brenzlig.
Wenn
er doch nur die Möglichkeit hätte näher an die große Hallentür
zu gelangen. Makaber war nur, dass die anderen Gestalten
jetzt langsam auf sie zu kamen, sie regelrecht einkreisten.
„Ich
hatte mir eine andere Gesellschaft hier unten vorgestellt“,
raunte er Luna ins Ohr.
Dann
hörte er den Ton. Der Ton wurde heller. Er griff sich mit
beiden Händen an die Ohren und hielt sie zu. Er bewegte
sich nicht... stand wie erstarrt. Dann plötzlich schrie
er laut: „Raus hier, raus hier, Luna!”
Geheimnisvolle
schwarze Helikopter
Sie
starrte ihn erschrocken an, reagierte aber sofort und schoss
wie von einer Tarantel gestochen vorwärts. Etwas Stumpfes
flog an ihren Kopf. Warmes Blut floss über ihre rechte Stirn
und bahnte sich seinen Weg durch ihre haarfeinen Falten
rund um das Auge. Während sie durch die Halle lief, wischte
sie sich mit dem Handrücken das Blut vom Gesicht. Sie drehte
mit Mühe ihren Kopf zur Seite und sah aus dem Augenwinkel
wie von hinten die Meute gegen sie anstürmte.
Kurz
vor der mit Gold beschlagenen Holztür sah Wigo einen Gang.
Er riss Luna am Arm herum und zog sie mehr als das er sie
dirigierte durch das offene Tor. Sie rannten den Gang hinunter
direkt auf einen schwarzen Helikopter zu, einen US101.
Wigo
fühlte ein unangenehmes pochen unter der Schädeldecke. „Es
geht hier nicht weiter“, murmelte sie in die Stille hinein.
„Muss es das?”, sagte er mehr zu sich selbst als zu ihr.
„Wo
diese Sorte Helis stehen, sind die ’Jat Packs’, diese handlichen
fliegenden Rucksäcke, meistens nicht weit!“ Er rannte zum
Heli und riss die Cockpit-Türe auf. Mit geübten Handgriffen
zerrte er zwei Jet Packs heraus.
„Leg
ihn dir an, mach es mir nach, dann muss ich dir nicht lange
erklären, wie er funktioniert. Das Ding hier hat keine große
Reichweite. In den kommenden 30 Sekunden müssen wir es geschafft
haben, den Schacht zu verlassen und irgendwo möglichst sicher
landen.“
Er
lächelte sie an, eine Welle von Liebe und Zärtlichkeit traf
ihre Augen. Sie lächelte zurück und zeigte dabei ihre perlweißen
Zähne. „Ja, wir werden es schaffen“, hauchte sie mehr als
dass sie es sagte.
Mit
geübten Handbewegungen schnallte er sich den Rucksack um,
legte den Beingurt um und öffnete das Treibstoffventil.
Dann legte er beide Hände auf die Starthebel, stieß sich
vom Boden ab und der Jet Pack schoss mit eindrucksvoller
Geschwindigkeit den Schacht hoch.
Keine
Sekunde zu früh bremste der Jet Pack aus. Im letzten Moment
noch hatten sie ein Waldstück erreicht. Das fliegende Vehikel
fiel jetzt mit ihnen wie ein Stein nach unten und sie krachten
in die Baumwipfel. Die ineinander geschlungenen Baumäste
bremsten glücklicherweise den Aufprall ab. So kamen sie
mehr schlecht als recht auf den Erdboden zurück. Sichtlich
benommen und mit einigen Hautabschürfungen humpelten sie
Richtung Herrenhaus zurück.
„Wahrscheinlich
hat niemand unseren kleinen Ausflug bemerkt”, meinte Wigo,
als sie wieder dort ankamen, wo ihr Abenteuer begonnen hatte.
„Und
pünktlich sind wir auch noch”, erwiderte sie verschmitzt
lächelnd und schaute dabei auf ihre Armbanduhr. Es war 8
Uhr morgens und um 9 Uhr war Frühstückszeit, also noch reichlich
Zeit um sich frisch zu machen und unten im Salon zu erscheinen.
Mit
„Blauen Augen“ davongekommen
Zögernd
klopfte es an ihrer Zimmertür. Sie vernahm leise die Stimme
von Rosa, der ihren Namen flüsterte.
Luna
ging rasch zur Tür und öffnete sie. Bevor der Professor
eintrat, schaute er nochmals prüfend links und rechts den
Gang hinunter, behutsam darauf bedacht, von niemandem gesehen
zu werden. Erst dann trat er über die Türschwelle.
„Einen
schönen guten Morgen, Rosa! So früh schon auf den Beinen?”
Er aber hielt sich den Finger vor dem Mund und flüsterte:
„Psst, nicht so laut, Luna. Ich will nicht, dass jemand
uns hört. Um diese Zeit sind schon einige auf den Beinen
hier im Haus.”
„Warum
so geheimnisvoll?”
Und
während sie das letzte Wort aussprach, schloss er leise
hinter sich die Tür und sauste zum Fenster. Ohne sich noch
mal umzudrehen winkte er Luna zu sich heran.
„Was
ist denn?”, fragte sie ihn unruhig.
„Da,
da, das musst du sehen! Komm, komm näher, da, da...”, aufgeregt
wies der Professor mit seiner Hand hastig zum Fenster hinaus.
Seine Fingerspitzen trommelten gegen die Scheibe, so aufgebracht
war er.
„Ja,
und...?”, fragte sie im ruhigen Tonfall. Sie musste sich
bemühen, ruhig zu bleiben, denn plötzlich kam in ihr das
Gefühl hoch, dass Rosebär etwas von ihrem nächtlichen Abenteuer
im mysteriösen Gewölbe wusste. Erzählen wollte sie es ihm
schon, ja, nur eben jetzt nicht gleich, denn sie brauchte
zuvor noch etwas Ruhe um ihre Gefühle ordnen zu können.
Wie in Trance trat sie näher ans Fenster heran. Dann sah
sie die Reste der Jet Packs in den Baumkronen hängen.
„Schau
mal”, sagte der Professor. „Ein so genannter Jet Pack, auch
bekannt unter dem Namen Raketenrucksack. Man schnallt sich
so ein Ding auf den Rücken und es fliegt mit einer Geschwindigkeit
von etwa 16 km/h einige Meter hoch und das auch nur 30 Sekunden
lang.”
Dann
drehte er sich um und schaute Luna voll ins Gesicht. Ohne
mit einer Wimper zu zucken schaute sie zurück.
„Und
nun möchte ich bloß mal wissen, wie so ein Ding, oder was
noch von dem Ding da übrig geblieben ist, in den Baumkronen
von Gut Kernhem stranden kann?”
Luna’s
Augen verdunkelten sich und ihr Blick wurde starr. Sie hatte
nun nochmals deutlich die Bilder vor Augen, wie sie vorhin
den steilen Schacht empor flogen.
„Ach
‚Gottchen’ Luna! Deine Augen sprechen ja Bände”, hörte sie
den Professor schlussfolgern. Rosa legte seine beiden Hände
um ihre Schultern und streichelte ihr zart über ihr glattes
Haar. Dann führte er sie zur Couch.
„Ich
hol’ dir ein Glas Wasser, Liebes”, sagte er zu ihr und ging
in Richtung Bad. Bevor er es erreichte, ging die Badtür
auf und Wigo stand grinsend vor ihm mit einem vollen Glas
Wasser in der Hand.
„Bitte,
Rosa, ist das Glas so richtig und das Wasser auch kalt genug,
willst du probieren?”
„Natürlich!
Wo was los ist, da ist auch Wigo!” Er drehte sich mit einer
einladenden Geste um und meinte mit einem strahlenden Gesicht,
aber doch mit einem Touch Ironie in der Stimme: „Bitte,
nur zu, ich lasse dir heute den Vortritt, hier mal Butler
zu spielen.”
Wigo
grinste ihn an, rauschte an ihm vorbei und stellte das Glas
Wasser zu Luna auf den Tisch. Sie nickte ihm dankend zu
und trank mit einem Zug das Glas leer.
Rosebär
streckte seinen Kopf zur Decke und sagte: „Ich schnuppere
Abenteuerluft... und ich war nicht dabei!” In seiner Stimme
lag ein Hauch von Wehmut.
„Alter
Junge! Und ich dachte du hättest heute Nacht ein Abenteuer
mit Lissa der besonderen Qualität gehabt?” Er grinste ihn
verschmitzt an, als könne er wissen, wie heiß es zwischen
Rosa und Lissa in der vergangenen Nacht zugegangen war.
„Da
irrst du dich aber, mein Lieber. Nix weißt du!”
„Sag’
ich denn, dass ich etwas weiß?“
„Nö,
das nicht. Aber du tust so! Na ja egal, früher oder später
wird es jeder hier noch merken. Lissa ist verschwunden.”
„Verschwunden?
Wir müssen die Polizei verständigen!”
„Äh...,
das lass’ mal, Wigo. Sie hat ihre Tasche und den kleinen
Koffer mitgenommen, also… sie ist doch erwachsen und jeder
über 18 kann hingehen wo er will, auch wenn es mitten in
der Nacht ist! Stimmt’s oder stimmt es nicht?”
„Jaaa
stimmt”, antwortete Wigo langgezogen. Durch seinen Kopf
kreisten bestimmt ganz andere Dinge als die, die zurzeit
in Rosa’s Kopf herumschwirrten. Und er dachte an das Ebenbild
von Lissa als er sie dort unten in der Halle sah. Nur war
es höchstwahrscheinlich doch die echte Lissa gewesen, die
sie gesehen hatten. Und seine Gedanken gingen noch weiter
zurück bis zu dem Tag, als sie in dem abgewrackten Motel
absteigen mussten und dass sie die einzigen Gäste in dem
Motel waren, und als Rosa ihnen Lissa vorstellte, und…
Wie
aus der Ferne hörte er Rosa’s Frage, was sie heute vorhaben
würden. „Nichts mehr, Rosa. Es wird besser sein, wenn wir
unsere Koffer packen, Holland verlassen und nach Österreich
reisen. Ich gehe mal runter zu Janny und Evert und bespreche
mal einiges mit ihnen.”
„Warum
denn ausgerechnet nach Österreich, Wigo?”
„Freunde
besuchen, Rosa! Wir brauchen Freunde um die Welt zu retten!”
Bei diesen Worten war er schon halb aus dem Zimmer entschwunden.
Zurück blieben ein nachdenklicher Rosa und eine müde Luna.
Fortsetzung
folgt