Wigo
- Die Liebe stirbt zuletzt!
von
Marleen van Barneveld
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Wigo
lernt das Mädchen Luna kennen, die weitab der Stadt
in einem großen Haus wohnt. Er fühlt sich von
der geheimnisvollen, schönen Frau angezogen, da sie
ein tiefes, ihm noch fremdes Wissen hat über das Leben
und über den Kosmos. Auch Wigo erfährt, wie es
oft im Leben ist, es kommt immer wieder etwas anderes, manchmal
mit Überraschungen.
Der Einzug bei Luna
In
der vergangenen Nacht hatte Wigo sehr gut geschlafen. Ob
dies an den Zylindern lag, die er während seiner Radfahrt
in den Hosentaschen trug oder ob es das Glücksgefühl
war, die Hände von Luna halten zu dürfen? Er schmunzelte
vor sich hin und fing an zu pfeifen.
"Hallo
Bruderherz...", hörte er eine fröhliche Stimme
auf der Treppe zu seinem Zimmer sagen, "...du bist
ja phantastisch gut drauf!" Es war Wigo's kleine Schwester
Andrea. Sie kam auf ihn zu, umarmte ihn und drehte sich
mit ihm wie im Tanz. "Hoppla, kleine Schwester, du
bist auch ganz schön aufgekratzt".
Bei
diesen Worten strahlten sie beide um die Wette. "Erzähl
doch mal", sagte Andrea, "wie sieht deine Angebetete
denn aus? Ist sie hübsch, ist sie klug? Wirst du sie
heiraten?"
"
Ja, ja und nein", antwortete er kurz.
"Nein?"
Und etwas erstaunt und fragend noch einmal: "Nein?"
"Nein,
das ist nicht mehr nötig", sagte er beim hinausgehen.
Als
er schon die Treppen hinunter lief, hielt er kurz inne und
rief ihr noch zu: "Bist du nachher noch hier, Andrea?"
Sie beug-te sich über das Treppengeländer um Wigo
besser zu sehen und fragte: "Wieso? Passiert noch was
Geheimnisvolles, das ich keineswegs versäumen darf?"
Er
drehte sich um und lief die paar Trep-penstufen zu ihr nochmals
hoch, nahm sie in die Arme und sprach: "Andrea, du
sollst es zuerst erfahren, ich werde heute Nachmittag bei
Luna einziehen."
"Aber
das ist ja himmlisch Wigo!" Andrea klatschte dabei
vor Freude in die Hände. "Ich freue mich ja so
für dich!" Sie strahlte ihn an: "Alles, alles
Gute, Wigo, von Herzen alles Gute!"
Bei
diesen Worten hob sie beide Arme hoch und öffnete ihre
Handflächen ihm zugewandt. Er tat dasselbe, ihre Hände
trafen aufeinander und beide blieben sie in dieser Haltung
eine Weile stehen und schauten sich an. Dann nahm Wigo seine
Arme runter, lächelte ihr zu und ging die Treppen entgültig
hinunter.
Unten
wandte er sich nochmals um und ging dann in den Garten.
Seine Mutter saß im Liegestuhl und sonnte sich. Sie
schaute kurz auf als sein Schatten auf sie fiel. Die Mutter
sah Wigo erwartungsvoll an. "Ja"..., sagte er
zögernd, und blickte dabei auf den Rasen. "...Mutter,
ich habe mich kurzfristig entschlossen, bei Luna zu wohnen."
"So, hast du das?", antwortete seine Mutter und
musterte ihn scharf. "Das kommt wirklich sehr unverhofft,
mein Sohn. Aber du bist alt genug. Immerhin bist du schon
35. In dem Alter war ich schon lange verheiratet und hatte
einen fast erwachsenen Sohn."
Bei
diesen Worten lächelte sie ihn an und meinte: "Es
ist schon in Ordnung. Ich werd es dann deinem Vater sagen
wenn er morgen aus Amerika anruft."
"Danke
Mutter, ich bin ja nicht aus der Welt, und, und... ja, dann
will ich mal ge-hen. Einen schönen Tag noch, Mutter!"
An
der Terrassentür schaute er nochmals zu seiner Mutter,
aber sie hatte sich schon längst wieder der Sonne zugewandt.
Er
nahm zwei gepackte Taschen und brachte sie zu seinem Fahrrad.
Eine Ta-sche legte er auf den Gepäckträger und
eine über den Lenker. Dann stieg er aufs Fahrrad und
radelte zum Tor hinaus.
Die
Fahrt war ruhig verlaufen und so kam er um 5 Uhr Nachmittags
pünktlich vor Lunas Haus an. Sie stand schon an der
Hecke und lächelte ihn entgegen: "Herzlich willkommen
auf ein glückliches Leben zu zweit!" Er erwiderte:
"Danke für deine Einladung!"
Sie
hielt ihm die Gartentür auf und er schob sein Rad in
die Remise. Er nahm seine beiden Taschen vom Rad und sie
gingen ins Haus.
"Die
Halle kennst du schon. Hier geht es in dein Schlafzimmer."
Sie
machte die Tür auf und betrat den großen Raum.
Die Salzlampen brannten schon.
"Die
Decken liegen in dem Bettkasten dort hinten und in diesem
Schrank liegt frische Bettwäsche und Handtücher
und es ist reichlich Platz vorhanden für deine Garderobe.
Diese Tür führt in die Dusche, diese ins WC und
diese auf die Terrasse", sagte sie und ging gleichzeitig
in Richtung Tür zurück.
"Kommst
du bitte, Wigo? Ich möchte dir noch gerne die anderen
Räume zeigen."
"Diese
Tür hier gegenüber führt in die Küche."
Sie machte die Tür auf und ging in die Küche.
"Und diese dort geradeaus führt zur Speisekammer,
die linke Tür zum Eßzimmer. Wie du siehst, ist
Eßzimmer und Wohnzimmer ein Raum. Dort hinten ist
die Tür zur Terrasse und die rechte Tür geht in
mein Schlafzimmer. Das Dachge-schoß steht leer,"
sagte sie und drehte sich nach ihn um.
"So,
jetzt habe ich dir einen kleinen Ein-blick in unsere Wohnbereiche
gegeben, damit du nicht anfangen mußt zu suchen, welche
Tür zu welchen Raum führt."
"Das
war sehr liebenswürdig von dir Luna. Dann gehe ich
jetzt mal in mein Schlaf-zimmer und packe meine Sachen aus."
"Ja,
laß dir ruhig Zeit, Wigo. Wir essen dann um 7 Uhr.
Ist das dir recht?"
"Ja,
das ist mir sehr recht Luna, danke!"
Mit
der Natur im Einklang
Als
sie gegessen hatten gingen sie in den Garten. "Was
mir auffiel," sagte er, " ist, daß es nirgends
eine Heizung im Haus gibt." Sie schmunzelte etwas als
sie fragte: "Sind dir die Außenwände
im Haus nicht aufgefallen? Sie sind genauso dick wie die
in den Klöstern. Das warme Wasser bekommen wir aus
den Solarzellen die oben auf dem Dach liegen."
"Du
lebst also mit der Natur im Einklang, Luna," stellte
er schlicht fest. "Ja, so gut es eben geht im heutigen
21. Jahrhundert. Francis Bacon sagte einmal: 'Wer die Natur
beherrschen will, muß ihr gehorchen.' Hier in dieser
Umgebung gibt es kaum noch 20 Spatzen", erzählte
sie weiter, "und weißt du was der Grund dafür
ist? Sie hungern! An deinem Gesichtsausdruck sehe ich, daß
du dir das nicht vorstellen kannst. Ja was meinst du nur
wie viel natürlicher Raum nicht nur den Spatzen in
den letzten 10 Jahren verloren gegangen ist? Und der Kunstdünger
und die Pestiziden, die den Lebenskreislauf der Tiere einengen,
wie viel das dazu beiträgt, daß es nicht genug
Nahrung für die Tiere gibt, die in freier Natur leben,
du kannst es dir nicht vorstellen. Sie erzählen es
mir ja auch!"
Er
schaute sie erstaunt an: "Die Tiere erzählen dir
von ihren Problemen?"
"Ja,
das ist schlichtweg Gedankenübertragung. Gestern hatten
wir uns schon darüber unterhalten. Für mich ist
das nichts Besonderes. Ich füttere die Vögel das
ganze Jahr über. Und wenn sie tat-sächlich selbst
genug finden, kommen sie einfach nicht.
Die
Gärten an den Häusern sehen immer so schön
gepflegt aus. Was kann in einem solchen Garten denn noch
ein Vogel finden?
Besser
wäre es, das abgemähte Gras auf dem Rasen liegen
zu lassen, dadurch düngt sich der Rasen selbst. Doch
es wird schön zusammengeharkt und abtransportiert.
Die Hecke wird geschnitten; anstelle daß man die abgeschnittenen
Äste dicht unter die Hecke legt, auch dadurch würde
sie gedüngt und die Regenwürmer ziehen die Blätter
zu sich herunter um davon zu leben. Es werden aber lieber
Holzzäune aufgestellt. Die sind ja pflegeleichter und
sehen auch im Winter noch gut aus. Leider haben durch diesen
Akt die Vögel ihren natürlichen Brutplatz eingebüßt.
Und solange die Heckenreste am Boden liegen, können
sich die Kleintiere darin verstecken. Außerdem sammelt
sich Nahrung darin an durch Insekten und Käfer, das
interessiert aber den heutigen Hobbygärt-ner nicht.
Viel
wichtiger ist für die Gärtner, daß er einen
sauber gefegten, sterilen Garten besitzt, der für das
Auge schön aussieht. Hinzu kommen auch noch die angestrahl-ten
Gartenwege. Diese entsetzlichen Lichterketten, die Gartenwege
umsäumen, damit Tiere in ihrer Umgebung nicht zur Ruhe
kommen können, ist dieselbe Taktik, die große
Legebatterien anwenden. Das ist dir wohl bekannt?",
fragte Luna.
"Ja,
das sind tragische Geschichten," antwortete er bedrückt.
"Doch
sei nicht traurig deshalb, die Natur weiß sich zu
wehren. Wenn das Maß voll ist, werden es die Verursacher
merken!"
"Komm,
ich zeige dir etwas", sagte sie und zog ihn mit sich
fort. "Schau mal hier drin wohnen Wellensittiche und
Nymphensittiche in einem Haus zusammen."
"Ich
sehe gar keinen Vogel," antwortete er und schaute durch
die Voliere.
"Kannst
du auch nicht Wigo, die sitzen jetzt alle drinnen auf den
Schlafplätzen. Aber morgen früh so gegen 9 Uhr,
da lasse ich sie alle fliegen und abends kommen sie alle
wieder zurück," erzählte sie ihm lachend.
"Das
ist wohl einmalig? Zumindest habe ich davon noch nie gehört?",
erwiderte er.
"Ganz
und gar nicht, Wigo. Eine Vogelliebhaberin aus England hat
300 Wellen-sittiche und die läßt ihre Vögel
jeden Morgen rauß und jeden Abend kommen sie zurück.
Da habe ich meinen Vögeln diese Geschichte erzählt,
sie wollten dieselbe Freiheit. So habe ich ihnen eben den
Wunsch erfüllt. Wollen wir uns setzen Wigo?"
Die
UFO-Sichtung und die Folgen
"Ja,
gerne Luna." Sie hatten auf der Terrasse Platz genommen
und schauten in den Himmel. "Schau mal der Mond,
Wigo, beinahe ist er voll." Dabei zeigte sei mit
dem Finger nach oben.
"Heute
leuchtet er so wie eine Salzlampe," sagte er. "Ja,
das sieht immer schön aus. Und manchmal ist er so groß
und dann steht er so dicht an der Erde, daß es aussieht,
als wenn er direkt über den Bäumen hänge."
"Schau
mal," rief Wigo, "ein Ufo, ich erkenne es wieder!"
Plötzlich
wurde er ganz aufgewühlt und aufgeregt und sprang von
seinem Stuhl hoch. Er lief in den Garten. Dann blieb er
abrupt stehen, hob seine beiden Arme zum Mond empor und
rief aus voller Kehle: "Nein, nein, bleibt weg! Nein
ich will nicht, daß ihr kommt. Nein ich will es nicht!"
Luna
war ihm hinterhergelaufen: "Wigo," rief
sie ihm zu, "so beruhige dich doch!" Sie
legte ihren Arm um seine Schultern.
"Dieses
Raumschiff kann dich nicht erreichen, weder gedanklich noch
wirklich, wenn du es nicht willst."
Sie
hörte, wie er ein Gebet murmelte. Er war nervlich sehr
angespannt, wie ihr schien.
"Komm
Wigo, laß uns zur Bank zurück gehen."
Wie
in Trance folgte er ihr. Er sagte kein Wort und so blieben
sie still nebeneinan-der dort sitzen bis Luna sagte: "Laß
uns ins Haus gehen Wigo, es wird kalt hier draußen."
Langsam
erhoben sie sich und Wigo ent-schuldigte sich: "Es
tut mir leid, Luna. Mir sind wohl die Nerven durchgegangen.
Ich spinne wohl, vielleicht sollte ich also doch ins Sanatorium
gehen, anstatt hier zu sitzen."
"Wer
sagte, daß du ins Sanatorium gehen sollst, Wigo?"
Er hielt den Kopf gesenkt und gab auf ihre Frage keine Antwort.
Sie legte erneut ihren Arm um seine Schulter und sprach:
"Wigo, bitte schau mich einmal an." Dabei
nahm sie ihre Hand und legte sie unter seinem Kinn und drehte
sein Gesicht zu sich. Sie schaute in unverwandt an bis er
seine Augen aufschlug und sie ansah. Tränen rannen
über seine Wangen und sein Blick lag in weiter Ferne.
Eine
Weile herrschte greifbare Stille. In diese Stille hinein
flüsterte er leise und bedrückt: "Wirst du
mich ins Bett bringen, Luna? Ich mag jetzt nicht allein
sein."
Sie
streichelte ihm über sein Gesicht, lächelte und
sagte: "Geh schon mal vor, ich komm dann gleich
nach."
Als
sie in sein Schlafzimmer kam, lag er schon im Bett. Sie
beugte sich zu ihm hinunter und küsste ihn ganz sanft
auf den Mund. Dann zog sie den Schaukelstuhl zu sich heran
und setzte sich.
Sie
lehnte sich im Stuhl zurück, den Kopf nach hinten und
sagte: "Wigo, erzähle mir jetzt bitte, was
dir passiert ist und wann du daran dachtest, daß es
besser wäre, das Erlebte im Sanatorium aufzuarbeiten
als zu Hause im Kreise deiner Familie."
Eine
Weile blieb es wieder sehr still im Raum. Dann hörte
sie ihn erzählen:
"Es
war Mitte Juni. Abends 10 Uhr ging ich mit meiner Freundin
Sybille nach Hau-se. Sie wohnte am Stadtrand. Wir waren
an diesem Abend wie so oft im Restaurant gewesen. Hinterher
ließen wir uns mit einem Taxi an den Stadtrand fahren,
stie-gen aus und gingen die wenigen Kilometer zu ihrem Haus
zu Fuß weiter.
Dann
plötzlich wie aus dem Nichts tauchte über uns
ein großes weißes Licht auf, das mehrere feurige
Lichtstrahlen nach unten sandte. Es sah so aus wie eine
riesige Qualle und es machte leise summende Töne. Dann
wurde die Qualle plötzlich hellblau und dunkelblau.
Ich starrte wie gebannt auf das Objekt.
Ich
ergriff den Arm meiner Freundin und hielt ihn fest, ich
zog sie einfach mit mir mit und so liefen wir die Straße
hinunter. Ich blickte mich dennoch wie aus Zwang um, ich
sah, wie das Objekt immer noch an demselben Ort stand.
Als
wir in ihrem Haus ankamen, bat sie mich, bei ihr zu bleiben,
weil sie sich ängstigen würde. Wir hatten uns
noch nicht lange zur Ruhe gelegt als helles, gleißendes
Licht ins Fenster fiel. Es war so hell wie der Blitz eines
Gewitters. Die Fenster gingen wie von Geisterhand weit auf
und ein breiter Lichtstrahl fiel in den Raum.
Plötzlich
standen da 4 kleine Wesen. Sie starrten mich an. Sie waren
grau mit gro-ßen Köpfen.
Ich
war wie gelähmt. Ich hatte Angst: 'Ich will nicht mit!'
Ich wehrte mich, ich weinte. Ich betete zu Jesus, zu Maria,
zu Gott. Ich konnte mich dann nicht mehr bewegen, mein Puls
raste."
Ein
leises Schluchzen kam aus Wigo's Kehle. Er war total aufgelöst.
Die Tränen liefen über sein Gesicht. Dann sprach
er leise weiter:
"Meine
Freundin lag auf dem Lichtstrahl und schwebte nach draußen.
Ich werde ihr nicht folgen, nein das will ich nicht!'
Ich betete lauter, ich rief Gott: 'Bitte hilf mir, rette
mich aus dieser Not!' Dann war es ganz Still . . . der Spuk
war plötzlich vorbei!
Ich
stürzte zum Telefon und rief die Poli-zei: 'Meine Freundin
ist von Außerirdischen entführt worden, bitte
helfen sie mir!' Am Telefon wurde ich abgewimmelt. Niemand
glaubte mir. Es wurde sogar gesagt, wer mit so einem unsinnigen
An-ruf den Polizeiapparat in Bewegung setze, müße
mit einer Geldstrafe rechnen.
Ich
setzte mich für den Rest der Nacht in die Küche
und wartete auf den Morgen. Morgens um 6 Uhr ging ich ins
Schlaf-zimmer und da lag meine Freundin in ihrem Bett. Ich
weckte sie auf, aber sie konnte sich an nichts mehr erinnern.
Verstört
und geistesabwesend ging ich zur Arbeit, konnte mich nicht
auf die Arbeit konzentrieren. Deshalb ging ich an die-sem
Tag auch früher nach Hause.
Meine
Freundin rief mich an und bat mich, auch diese Nacht bei
ihr zu sein. Wir legten uns gemeinsam bei ihr ins Wohnzimmer
auf die Schlafcouch. Wegen der ver-gangenen aufregenden
Nacht war ich übermüdet und fiel auch bald in
einen leichten Schlaf. Doch dann wurde ich von den grellen
Blitzen wieder wach, es wiederholte sich die gleiche Geschichte
wie am Abend zuvor!
"Denk'
an nichts und es wird dir gut gehen!"
Diesmal
hatte ich viel mehr Kraft aufbringen müssen um zu Gott
zu beten. Zeitwei-lig hatte ich das Gefühl nicht mehr
denken zu können. Einer von den kleinen Männern
stand dicht vor mir und ich hörte ihn an meinem Ohr
sagen:
'Denk'
an nichts und es wird dir gut ge-hen!'
Aber
ich fürchtete mich nur allein schon so vor seinem Aussehen,
daß ich immer lauter betete. Und da wurde er plötzlich
unsichtbar. Das Licht verschwand auch. Eine völlige
Stille umgab mich wieder.
Meine
Freundin hatten sie wieder mitge-nommen. Als ich mich etwas
mehr beru-higt hatte, schrieb ich einen Brief an Sybille,
bestellte mir ein Taxi und ließ mich in meine Wohnung
zurückfahren.
Noch
in derselben Nacht fuhr ich nach Hause zu meinen Eltern
und erzählte ihnen mein Erlebnis. Doch leider haben
sie mir nicht geglaubt und rieten mir meinen Urlaub im Sanatorium
von Professor Dr. Ludwig Förstermann zu verbringen.
Ja,
das ist meine Geschichte, Luna," sagte er mit belegter
Stimme.
"Ich
war schon mit meiner Einweisung einverstanden und am Ende
der Woche wollten wir in die Klinik fahren, aber ich wollte
davor erst noch einmal in die Umgebung fahren, die ich als
Kind so sehr geliebt habe und dann habe ich dich ken-nengelernt,
Luna."
Seufzend
sagte er: "Seltsamerweise hat sich meine Freundin Sybille
in der ganzen Zeit, in der ich schon zu Hause bin, nicht
mehr gemeldet. Und als ich versuchte, sie telefonisch zu
erreichen, mußte ich feststellen, daß es ihre
Telefonnummer nicht mehr gab.
Ich
bin also zu ihr gefahren und mußte da außerdem
feststellen, daß sie mit unbekanntem Ziel verreist
war. Das gab mir sehr zu denken."
Sie
hörte, wie er mit offenen Mund atmete und wie sein
Atem ab und zu stockte. Daran erkannte sie, daß er
immer noch innerlich aufgewühlt war von seinem Er-lebnis.
"Ich
muß ihm helfen", dachte sie. "Er
soll wieder zu sich finden. Seine innere Harmonie muß
wieder hergestellt werden, so daß Körper, Seele
und Geist wieder eine Einheit sind. Denn darin liegt das
Ge-heimnis des Lebens."
Nach
einer Weile fragte Luna: "Wigo? Hörst du mich?
Kannst du mir antworten?"
"Ja,
ich höre deine Stimme laut und deutlich Luna",
gab er leise zur Antwort.
"Gut
so", sagte sie. "Wenn du bereit bist, dann
mache deine Augen zu."
Nach
einem kurzen Augenblick sah sie, daß er seine Augen
schloß. "Achte jetzt bitte auf meine Stimme
und höre auf meine Worte, die ich jetzt sage."
Dann
sprach sie ganz langsam: "Der rechte Arm ist schwer
und warm, der rechte Arm ist schwer und warm. Der linke
Arm ist schwer und warm, der linke Arm ist schwer und warm.
Das
rechte Bein ist schwer und warm, das rechte Bein ist schwer
und warm. Das linke Bein ist schwer und warm, das linke
Bein ist schwer und warm.
Der
Nacken ist weich und warm, der Nacken ist weich und warm.
Die Stirn ist angenehm kühl, die Stirn ist angenehm
kühl.
Es
atmet mich, es atmet mich.
Du
liebes Herz arbeite gut, du liebes Herz arbeite gut.
Der
Magen ist weich und warm, der Magen ist weich und warm.
Die Kraft in mir fließt gleichmäßig, die
Kraft in mir fließt gleichmäßig."
Sie
hörte, wie seine Atemzüge regelmäßig
wurden. Sein Kinn war nach unten gefal-len und sein Kopf
lag auf der Seite. Er war eingeschlafen.
Sie
bleib noch eine geraume Zeit in ihrem Schaukelstuhl sitzen
und dachte an seine Worte. Im Geiste sagte sie zu ihm: "Hab
keine Angst mehr Wigo, es gibt auch noch andere Außerirdische,
die so aussehen wie du und ich. Und die friedlichere Absichten
haben und die den eigenen Willen des Menschen respektieren.
So wie der Große Geist des Universums ihn uns gegeben
hat. Es ist nicht gut, wenn man den Willen eines anderen
bricht, ihn ver-sklavt und für seine eigenen Zwecke
ausnutzt, das ist keinesfalls gottgewollt."
Sie
warf ihm noch einen liebevollen Blick zu bevor sie aufstand.
Dann stellte sie den Stuhl an seinen Platz und verlies leise
das Schlafzimmer von Wigo. An der Tür drehte sie sich
noch mal zu ihm um, aber er schlief gut und seine Atemzüge
waren leise und gleichmäßig. Da wußte sie,
er schläft nun wirklich fest und gesund.
Fortsetzung
Wigo 3. Teil (Gute Gedanken / Selbstschutz
/ Die goldene Schutzwand)