Wigo
- Die Liebe stirbt zuletzt!
von
Marleen van Barneveld
(zurück
Folge 1) *
* (zurück
Folge 2) *
* (zurück
Folge 3)
(zurück
Folge 4)
* * (zurück
Folge 5) *
* (zurück
Folge 6)
(zurück
Folge 7)
* * (zurück
Folge 8)
* * (zurück
Folge 9)
(zurück Folge 10)
* * (zurück
Folge 11)
* * (zurück
Folge 12)
(zurück
Folge 13)
* * (zurück
Folge 14)
* * (zurück
Folge 15)
(zurück
Folge 16)
* * Folge
17
* * (Folge
18)
Professor
Rosebär, Luna und der Außerirdische Vasariah besuchten eine
Mondbasis, wo sie eine aufschlussreiche Unterhaltung mit
einem alten Mann führten, der dort im Jahre 1950 ausgesetzt
wurde. Der Zwischenstopp auf dem Mond wird für Professor
Rosebär doch noch zum Verhängnis, denn er gerät in die Fänge
von finsteren Gestalten des Planeten Draco.
In
den Lagerhallen des Mond-Flughafens
Der
kleine Gleiter zog in geringem Bodenabstand seine Kreise,
bis er zur Landung ansetzte. Vor ihnen lagen nun wuchtige
Lagerhallen. Ein Tor öffnete sich gerade, wobei sich ein
Flügel seitlich öffnete, der andere versank im Boden.
Rosebär
und Hata-aan verharrten einen Moment auf ihrem Standort.
Als sich nichts rührte liefen sie in die Halle hinein. An
den Wänden lagerten in geräumigen Boxen High-Tech-Waren.
Der Professor betrachtete jede Box ausgiebig um zu sehen,
was drin steckte.
„Also
das ist ja…”, flüsterte er.
„Vorsicht”,
warnte Hata-aan. „Es nähern sich Lebewesen. Sie bewegen
sich sehr schnell.“ Die Augen des Professors durchstreiften
in Windeseile die Lagerhalle um ein geeignetes Versteck
zu finden.
„Dort
entlang“, rief er. Zwischen zwei riesigen Körben aus
Eisen fanden sie einen vermeintlich sicheren Ort.
Mit
einer grotesken Emsigkeit liefen die Aliens mit den großen
Köpfen und den Insektenaugen kreuz und quer durch die vordere
Lagerhalle. Zum Glück hatten sie kein Interesse auch mal
einen Blick nach hinten zu werfen. Mit angehaltenem Atem
beobachtete Rosebär das Geschehen.
„Möglicherweise
gehen den Bewohnern irgendwo da draußen in der Milchstrasse
gewisse Waren aus“, dachte der Professor grinsend und
kicherte in sich hinein.
Keine
zehn Schritte von ihnen entfernt sah er jetzt eine Frau
stehen. „Wo die wohl plötzlich so schnell herkam?, dachte
er. Es war eine attraktive Frau von etwa 20 Jahren mit hoch
stehenden Wangenknochen und langen schwarzen Haaren. Die
Augen waren dunkel und ihre Lippen voll und rot. Sie öffnete
einen Aktenkoffer und holte mehrere Beutel mit weißem Pulver
heraus. An wen sie die Beutel weitergab, konnte der Professor
von seinem Standort aus nicht sehen.
„Sehe
ich richtig?“, sagte er mehr zu sich selbst als zu Hata-aan.
„Die von der Erde kaufen High-Tech von den Aliens und
bezahlen mit Stoff?“
Plötzlich
merkten sie, wie sich die Tore der Lagerhalle wieder in
Bewegung setzten. Mit einem Satz sprang der Professor hoch.
Das Hata-aan ihm etwas zurief, hörte er leider nicht. Er
lief wie in Panik zu den sich schließenden Toren.
Dann
stolperte er und fiel direkt vor die Füße der unbekannten
Frau. Er blinzelte hoch und erkannte jetzt außerdem drei
Männer, die bei der Frau standen. Sie trugen schwarze Kombinationen
mit weiß aufgesticktem Emblem. Es zeigte eine Schlange,
die sich um einen Drachen wickelte.
Dem
Professor überlief es eiskalt. Er fröstelte direkt als er
an ihnen hochsah. Mit starren und stummen Gesichtern blickten
die Männer zu ihm herab, die Frau grinste ihn hämisch an.
Er sah die Waffe in ihrer Hand. Ein kurzes Aufblitzen nahm
er noch wahr, dann wurde es dunkel um ihn.
Ein
schmerzliches Experiment
Rosebär
saß auf einem Stuhl. Von weither drang eine Stimme an sein
Ohr. Er konnte nicht richtig wach werden. Irgendeine bleierne
Müdigkeit hatte ihn erfasst. Dann die Stimme wieder, ihm
war als wäre sie in seinem Kopf.
„Sie
fühlen sich jetzt ganz entspannt”, klang eine Stimme an
Rosebär’s Ohr.
„Jaa“,
sagte er. Und wieder sprach die Stimme ihn an: „Sie sind
und bleiben ruhig und entspannt.“ „Ja...“, wiederholte
der Professor, „...ich bin ruhig und entspannt.“
Die
Frau ging zu einem kleinen Medikamentenschrank, der hinter
ihr stand und holte eine Ampulle heraus, diese zog sie auf
eine Spritze. Dann nahm sie den Arm des Professors und jagte
ihm die Spritze in den Arm. Nur wenige Augenblicke später
fiel der Professor kopfüber auf den Boden.
Die
Tür wurde geöffnet und drei Gestalten kamen herein. Sie
trugen Masken und hatten silberne Anzüge an. In den Händen
hatten sie Stäbe, die ein mattes grünes Licht ausstrahlten.
Die Gesichtsmasken waren oval. Grosse mandelförmige Insektenaugen
schimmerten darin und die Kinnpartien der Masken liefen
spitz und schmal zum Hals zu.
Sie
legten den Professor auf eine graue Pritsche, die mit einem
Kunststoffbezug bespannt war. Und dann stellten sie sich
hinter ihn und warteten darauf, bis die Frau Anweisungen
geben würde. Die Frau ging zu einem Schrank und holte ihre
eigene Maske heraus.
Dann
tippte sie Rosebär dreimal auf die Stirn und gab ihm das
Kommando, aus der Bewusstlosigkeit zu erwachen, um dann
wieder in Hypnose zu fallen. Sie beugte sich vor und flüsterte
ihm das Wort: „Besucher“ ins Ohr. Gleich darauf begann der
Professor zu stammeln: „Oh mein Gott, sie sind wieder
da! Nein, nein, ich will nicht!”
Der
Professor keuchte, holte tief Luft und fuchtelte dabei mit
den Armen und Beinen. Er wollte sich erheben, lag aber auf
der Pritsche wie festgewachsen.
Die
drei Gestalten traten nun wieder hervor. Ihr Gang war hölzern
und steif. Es sah so aus als würden sie im Zeitlupentempo
voran gehen. Einer von ihnen hob seinen Stab wie ein Zauberer,
der gleich ein Kunststück vorführen würde. „Sie kommen,
sie kommen“, schrie der Professor aus Leibeskräften.
Der
eine Mann berührte nun mit seinem Stab den Professor leicht
zwischen den Augen. Die Wirkung war verblüffend. Der Professor
krümmte sich, als hätte jemand einen Hebel umgelegt, der
seine Wirbelsäule wie ein Taschenmesser zusammen klappen
ließ.
„Schauen
Sie in Ihren Erinnerungen zurück“, suggerierte ihm die Frau.
„Sie müssen in sie eintauchen, um die Wahrheit über das
herauszufinden, was mit Ihnen geschehen ist.“
„Nein“,
sagte Rosebär leise. „Nein.“ Die Frau rollte einen
handlich kleinen Wagen heran, auf dem eine Menge chirurgischer
Instrumente lagen. Zu den drei Männern sagte sie, dass sie
ihr helfen müssten, den Professor zu entkleiden.
„Ist
das nicht ein bisschen extrem riskant, jemanden wie diesen
hier gleich in Projekt QE einzutauchen?”, fragte einer der
Männer.
„Das
lassen Sie mal meine Sorge sein! – festbinden!“, befahl
sie im herrischen Ton.
Die
Männer banden den Professor mit Lederriemen auf dem Tisch
fest. Die Frau überprüfte die Riemen, nickte bejahend mit
dem Kopf und entließ die drei.
Sie
beugte sich zu Rosebär und flüsterte ihm ein Wort ins Ohr.
Gleich darauf schrie der Professor: „Nein, nicht das
schon wieder; nein, hört auf, was soll das? Was wollt ihr
von mir? Wer seit ihr?“
„Wer
wir sind?“, sagte die Frau, die jetzt mit einer schrillen
Stimme sprach. „Das weißt du doch inzwischen. Wir sind Besucher
vom Planeten Draco und wir führen Experimente durch. Wir
brauchen fruchtbares Sperma von der Erde, weil unsere Art
mit den Genen einer primitiven Rasse aufgefrischt werden
muss, um eine Mischrasse zu erzeugen.“
Der
Stimme des Professors überschlug sich. Er fing an erbärmlich
zu kreischen. „Sei bitte kooperativ und höre auf zu jammern“,
sagte die Frau kalt, während sie mit einem Gerät neben ihn
trat...
Die
Befreiung
Hata-aan
hatte endlich das Gebäude gefunden, in dem sie den Professor
verschleppt hatten. Verschiedene undefinierbare Gerüche
schlugen ihm entgegen. Einen Geruch konnte er definitiv
herausfinden: Blut!
Dann
sah er ihn. Es war hell genug in dem Raum, um den gefesselten
Professor auf der Pritsche liegen zu sehen. Sein Gesicht
wies blaue Flecken auf und sein Körper war im Genitalbereich
blutverkrustet.
Der
Professor lebte noch. Er war bewusstlos und atmete nur noch
schwach. Das Schlimmste bemerkte er erst jetzt, die Einstiche
im Unterarm.
Hata-aan
schüttelte ihn leicht an der Schulter. Keine Reaktion. Er
schüttelte nochmals. Langsam öffnete der Professor die Augenlider,
sein Mund begann sich zu bewegen.
„Sagen
Sie jetzt besser nichts, Professor. Bleiben Sie ganz ruhig,
ich hole den Gleiter.“
Der
Professor öffnete seine Augen und sofort fing er an zu schreien.
„Ich bin Hata-aan, Professor, und ich hole Sie hier raus.
Aber beruhigen Sie sich bitte”, redete er auf den Professor
ein.
Sichtlich
erleichtert beruhigte sich der Professor. Hata-aan kleidete
ihn notdürftig an. Dann nahm er den Professor auf seine
starken Arme und trug ihn wie ein kleines Kind nach draußen.
Dort legte er ihn erst einmal auf einen breiten Mondstein
nieder. Dann machte er sich mit großen ausholenden Schritten
auf dem Weg zum Gleiter.
Zurück
zur Erde
Der
Professor erwachte in einem großen, märchenhaft schönen
Raum, dessen Wände aus einer schimmernden Substanz bestanden.
Die Farben an den Wänden bewegten sich und flossen ineinander.
Er beobachtete dieses Farbenspiel eine Weile.
Dann
öffnete sich die gegenüberliegende Wand in zwei Teile und
ein vierdimensionales Bild erschien. Er sah Vasariah, der
zu ihm sprach und ihm einen guten Tag wünschte.
Der
Professor lächelte zurück und sagte, dass er sich sogleich
ins ‘Zeug legen’ würde, um eine gute Malzeit mit ihnen einzunehmen,
bevor sie in den Erdorbit eintauchen würden.
„Habe
ich lange geschlafen?“, wollte der Professor von Luna
wissen. „Nein, ganz und gar nicht...“, erwiderte sie ihm
und lächelte ihn dabei fröhlich an, ...nur ein kleines bisschen
länger als wir.“
„Dann
bin ich zufrieden“, lachte er. „Ich versäume nämlich
nicht gerne etwas!“
Schweigend
trank Luna ihr Glas mit der violetten Flüssigkeit leer.
Und nur sie wusste, dass Vasariah Teile seiner furchtbaren
Erinnerung aus seinem Gehirn gelöscht hatte. Es war eine
Geste der Liebe.
„Ich
freue mich wieder auf die gute alte Erde zurückzukommen”,
sagte er und rieb sich die Hände. „Und weißt du was
noch, Luna? Ich hätte große Lust, Krister in Schweden zu
besuchen. Und hoffe, dass du mitkommst.”
„Vielleicht“,
erwiderte sie nur. „Jaaa“, fing er an zu schwärmen.
„Ich würde zu gerne einmal zum Nordkap fliegen, zu den
Nordkaphallen. Selbst im Juli herrschen dort noch durchschnittlich
10 Grad plus, aber das sollte uns nicht abhalten“, sagte
er sichtlich erfreut über die in Aussicht stehende Reise.
Er lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und starrte Löcher
in die Luft. Sicherlich war er schon wieder mal in Gedanken
auf eine große Reise gegangen.
Vasariah
holte ihn in die Wirklichkeit zurück als er sagte, dass
sie im Anflug der auf die Erde sind.
„Oh“,
entfuhr es ihm. „Ja, dann will ich mich von dir verabschieden.
Ich hoffe und wünsche, dass wir uns einmal wieder sehen.“
„Bestimmt
werden wir uns wieder sehen, Herr Professor! Geben Sie gut
auf sich Acht und besonders auf Luna“, sagte Vasariah und
reichte ihm die Hand. Der Professor ergriff sie und hielt
sie länger fest als es üblich war, dabei schaute er ihn
in die Augen und kniff die Lippen zusammen. Dieser Abschied
bewegte ihn doch sehr und er konnte sich beinahe der Tränen
nicht verwehren. Schliesslich rollten doch Tränen über Rosebärs
Gesicht, so aufgewühlt war er über diesen Abschied.
Und
dann ging er aus dem Raum und wartete draußen auf Luna.
Gemeinsam stiegen sie in den Gleiter, der sie zur Heimat
zurück bringen sollte.
Wieder
daheim!
Lautlos
wie ein hellbeleuchtetes Kriegsschiff der U.S.-Marine schwebte
das Raumschiff heran.
„Besuch“,
flüsterte der Professor Luna zu. „Ja, ich habe sie schon
aus dem Augenwinkel gesehen“, erwiderte sie leise. „Und
wir können nichts tun als einfach nur abwartend da zu sitzen,
Luna?“
„Vielleicht
kommen die Unbekannten mit guten Absichten”, meinte sie.
„Ja, das denke ich auch. Sonst hätten sie uns schon längst
’auf’s Korn’ genommen“, bemerkte er laut und dachte:
„...man kann nie sicher sein, was den E.T.’s so alles
einfällt...“ Dabei liess er das unbekannte Raumschiff
nicht eine Sekunde aus den Augen.
„Sie
drehen ab“, stellte Luna erleichtert fest. „Wir haben noch
mal Glück gehabt!“
Der
Himmel war sternenklar. Der Gleiter verlangsamte seinen
Flug und ging tiefer. Behutsam senkte er sich herab auf
einen Platz, der von Bäumen und Büschen umgeben war.
Der
Raumgleiter öffnete sich und Luna und der Professor kletterten
aus den engen Sitzen. Sie entfernten sich einige Schritte
vom Fahrzeug. Das schloss wieder seine Türen und hob sich
mit leisem Summen senkrecht in den Himmel empor. Luna und
Rosa schauten ihm hinterher bis der Gleiter ihren Blicken
entschwandt, erst dann machten sie sich auf den Heimweg.
Wiedersehen
mit Wigo
„Wie
lange ist es her, dass ich hier an diesem Tisch sass und
eine Tasse Tee mit dir zusammen trank, Luna?“
Rosa
überlegte nur kurz, holte dann tief Luft und sprach weiter:
„Hast du schon den Stapel Zeitungen dahinten gesehen,
Luna?“ Er deutete mit einem kurzen Kopfnicken in die
Richtung des Fensters.
Auf
dem Tisch davor lagen fein aufgestapelt ein Berg von Zeitungen.
Sie grinste verschmitzt und knallte ihm mit einem glucksenden
Lachen eine Zeitung auf den Tisch. Rosa griff nach ihr.
Er klappte sie auf und hämmerte ein paar mal mit den Knöcheln
der rechten Hand auf die Tischplatte, denn er war hochüberrascht:
„Das
ist ja interessant! Hast du das hier schon gesehen?“
Der Professor sass angespannt über die Zeitung gebeugt und
sagte dann endlich laut: „Wigo hält einen Vortrag über
den Dualismus. Er muss ja eine Menge während seines Aufenthaltes
bei den Bousnani’s gelernt haben! Werden wir hingehen, Luna?“
Vielsagend blickte er Luna an.
Die
nickte verwundert und meinte: „Dann können wir uns gleich
dafür bedanken, dass er unsere Koffer hierher gebracht hat.
Beim
Vortrag
Luna
wartete mit Rosa zusammen auf dem Flur bis sich die Türen
zum Saal öffneten. Sie waren früh gekommen, denn sie wollten
möglichst in der ersten Reihe sitzen, nahe genug an jener
Person, die sie schon so lange kannten und die dann doch
mit den Bousnani’s eigene Wege gegangen war.
Im
Saal waren fast alle Plätze bis zum letzten Platz besetzt.
Es lag eine ruhige, aber erwartungsvolle Stimmung in der
Luft. Als Wigo an das Rednerpult trat, trafen sich ganz
unvermittelt die Augen von Rosa und Wigo. Aus unerklärlichen
Gründen beschlich Rosa so etwas wie ein schlechtes Gewissen.
Er schaute Wigo an und seine Gedanken gingen auf eine lange
Reise, von der er erst zurückkehrte als er die Stimme Wigo’s
vernahm...
Fortsetzung
folgt ... (Wigo’s
Vortrag und Begegnung mit den Men in Black ).