Wigo
- Die Liebe stirbt zuletzt!
von
Marleen van Barneveld
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Folge 16
* * (Folge
17)
Der
Außerirdische Vasariah bringt in seinem Raumschiff Professor
Rosebär und Luna zur Erde zurück. Unterwegs landen sie aber
noch als Zwischenstopp auf der Rückseite des Mondes und
besuchen dort eine Basis, die unter der Oberfläche liegt.
Hier treffen sie mit einem sehr seltsamen, alten Mann zusammen,
der von äußerst ungewöhnlichen Machenschaften zu erzählen
weiß.
Eine
Basis unter der Mondoberfläche
„Vorsichtig
Professor, beugen Sie sich nur nicht zu weit vor, sonst
fallen Sie noch in den Krater bevor eines unserer Tellerlifte
Sie abholen kann“, brummte der alte Mann ihm zu.
„Mh...m...m...“,
murmelte Rosebär vor sich hin und beugte sich noch ein wenig
weiter nach vorne. Da kam auch schon der erste Tellerlift
und der Professor sprang galant auf diese Plattform. Ohne
die leichteste Vibration fuhr der Lift nach unten und Rosebär
stieg ab. In schneller Folge kamen danach auch die anderen
unten an.
Der
Professor ging neugierig prüfend an den Wänden entlang,
sie strahlten ein mattes Licht aus. Er schaute nach oben
und sah, dass die Decke dieses Licht abstrahlte.
Dann
standen auch schon seine anderen Freunde neben ihm. Der
Greis ging ihnen voran. Seine Hände hielt er hoch und eine
Öffnung erschien in diesem Moment. Rosebär konnte nicht
sehen, welcher Mechanismus es war, der die Wand öffnete.
Ein
grenzenloses „Ohh...hahaha“ strömte aus dem Mund des Professors,
als er die weite Landschaft vor sich sah, den blauen Himmel,
den Duft vieler Blumen und Gräser! Er breitete seine Arme
aus und lief wieselflink in diese Landschaft hinein. Von
hier aus hatte er einen freien Blick über einen großen See.
Das Gelände fiel sanft ab und darüber spannte sich der strahlend
blaue Himmel.
Er
tanzte vor sich hin, war wie berauscht von diesem Anblick.
Er strahlte vor Glück und Freude: „Ich könnte den ganzen
Mond umarmen, diese Pracht, diese Schönheit, ich hätte nicht
einmal im Traum daran gedacht, dass es so etwas tatsächlich
hier gibt!“
„Lieber
Herr Professor”, sagte der Alte und hüstelte. „Sie
sind ja wie ein kleines Kind das unterm Weihnachtsbaum sitzt
und Geschenke auspackt. Kommen Sie, wir wollen weiterfahren,
ich muss meine Medizin einnehmen.”
Selbst
als sie schon in einem schnellen „Laser-Torpedo“ saßen,
wurde der Alte von Hustenanfällen geplagt. Das änderte sich
erst als der Laser-Torpedo in ein riesiges Gebäude einfuhr
und sie alle ausstiegen. In dem Gebäude waren nur Türen,
eine neben der anderen.
„Wählen
Sie eine Tür, Herrschaften”, murmelte der Alte.
„Ich
muss Sie nun erst einmal verlassen um mich ärztlich zu versorgen.
Nachher wird Sie mein Adjutant abholen und Sie in meine
Gemächer führen für einen netten abendlichen Plausch.” Er
drehte sich auf seinem Absatz um, schlich davon und verschwand
hinter einer grünfunkelnden Türe.
Wie
versprochen wurden die Besucher von einem Mann abgeholt,
der sich bei ihnen als der ’private Sekretär des Professors’
vorstellte. Professor Rosebär fielen beinahe die Augen aus
dem Kopf als er den Mann sah. Er war etwas mehr als einen
Meter und fünfzig groß. Sein muskulöser Körperbau und seine
muskelbepackten Arme ließen darauf schließen, dass er ein
starker Mann sein musste. Er trug eine rote Uniform, die
in einem Stück an seinem Körper war.
„Wie
der wohl aus seiner Uniform steigt?“, dachte der Professor,
während er ihn verstohlen musterte. Seine Haut war schneeweiß
und sie schien durchsichtiger zu sein als Seide. Der runde
Kopf saß auf einem langen Hals. Seine Haare waren moosgrün
und gelockt. Sie waren kurz geschnitten, so wie beim Militär.
Seine Augen waren rubinrot und standen dicht beieinander.
Sie waren groß und leuchtend; aus ihnen sprach eine ungewöhnliche
Intelligenz. Die Nase war schmal und der Mund hatte die
bläuliche Farbe wie die eines kranken Menschen. Dieser Mann
war allerdings keinesfalls krank, sondern die Lippenfarbe
ließ darauf deuten, dass in den Adern des Adjutanten blaues
Blut floss.
Als
der Mann die drei ansprach, wurden ein paar schneeweiße
breite Zähne sichtbar. Er stellte sich mit dem Namen Hata-aan
vor, und forderte sie freundlich auf, mit ihm zu gehen.
Durch
scheinbare endlose Gänge kamen sie schließlich zu einem
mittelgroßen Raum. Er war sehr spartanisch eingerichtet.
Den Mittelpunkt des Raumes bildete jedoch unumstritten ein
riesiger Schreibtisch aus Mondgestein.
Der
Schreibtisch war blitzsauber und nur eine Karaffe mit einem
vollen Glas Wasser und mehreren leeren Gläsern standen auf
der Platte. Der Alte saß hinter dem Schreibtisch auf seiner
Bank. Hinter ihm standen hohe Regale übervoll mit Büchern.
Der
übrige Raum war mit einer Ansammlung kleiner und mittelgroßer
Mondsteinbänke voll gestopft. Sie waren großartig verziert
und die Sitzflächen waren ausgehöhlt wie Kürbisse. Die Formen
waren altmodisch und skurril und wirkten wie fehl am Platze.
Alles andere Drumherum war ungemein eindrucksvoll.
„Bitte
nehmen sie doch Platz”, sagte Hata-aan und wies ihnen Plätze
an.
„Bitte,
wenn Sie möchten, wird Hata-aan Ihnen die Gläser füllen“,
sagte der Alte mit matter Stimme. Die drei lehnten dankend
ab und schauten erwartungsvoll ihr Gegenüber an.
„Sagen
Sie mir Bescheid, wenn Sie es sich doch anders überlegen.
Ich bilde mir gern ein, ich wäre ein aufmerksamer Gastgeber.”
Rosebär fiel es auf, wie kultiviert sich dieser Mann
gab.
„Also”,
begann der Alte, „momentan bin ich in einer sehr schlechten
körperlichen Verfassung, und jedes Wort erschöpft mich mehr
und mehr!” Er verzog keine Miene, aber sein Gesicht
und seine ganze Haltung drückten aus, dass er schon fast
’jenseits von Eden’ war. Seine dunkle hagere Ge-stalt war
gekrümmt und mit dem untrüglichen Zeichen des hohen Alters
behaftet.
„Meine
Regierung weiß, dass auf dem Mond die unterirdischen Städte
der Aliens sind!“
„Liebe
Gäste, ich bin ernsthaft bereit etwas über unsere Regierung
zu erzählen, denn es ist so, ich wurde hier 1950 von meiner
Regierung auf der Mondstation ausgesetzt“, sprach er
weiter, nachdem er mit zitternden Fingern nach einem Glas
gegriffen und es halb ausgetrunken hatte.
Atemlose
Stille breitete sich nach den ersten Worten des Greises
aus. „Anno 47 / 48 habe ich also meinen Mund ziemlich
weit aufgerissen und über Roswell geredet. Ich träume heute
noch von dem Ding, von den Leichen, und ich kann mich nur
fragen, in was für eine Welt wir leben würden, wenn meine
Regierung die ganze Sache nicht geheim gehalten hätte.
Diese
Welt wäre eine bessere, wenn wir alle wüssten, dass es außer
uns noch andere Geschöpfe im Universum gibt.
Ich
habe Artikel für Zeitschriften geschrieben und dafür gesorgt,
dass die Legende der in Roswell abgestürzten Fliegenden
Untertasse nicht vergessen wird, und ich habe an viele Leuten
aus der Szene Hinweise gegeben, dass das Projekt ’Blue Bock’
eine Vertuschungsaktion war und so weiter und so weiter.“
Tief
in seinem Innern regte sich etwas. Er wirkte glaubhaft,
weil er den Anschein der Selbstlosigkeit von sich gab.
„Ich
bin ziemlich sicher, dass die CIA davon Wind bekommen hat
und mich abservierte. Sie dachten wohl, ich würde hier ’verrecken’
wie schon andere vor mir. Aber sie haben die Rechnung ohne
die hier anwesenden Extraterrestrischen gemacht.
Dieser
Mond ist ein Satellit, von großen Mutterschiffen aus dem
Sternensystem im Kleinen Bären vor tausenden von Jahren
hierher gebracht. Meine Regierung weiß, dass auf dem Mond
die unterirdischen Städte der Aliens sind. Viele haben die
Größe von Washington. In einer dieser Städte fanden wir
menschliche Skelette und die von reptoliden Wesen.
In
Kürze wird auf diesem Mond ein politischer Machtkampf stattfinden,
das ist eigentlich nicht in unserem Sinn, aber im momentanen
Augenblick unvermeidlich. Scheinbar hat meine Regierung
Auflagen vom ’Rat der Neun’ bekommen, die sie nicht einhalten
wollen.”
Wiederholt
griff er zum Glas und trank es jetzt ganz leer. Er starrte
ins Leere, flüsterte noch irgendetwas. Er saß da, ganz still
in sich zusammengesunken, traurig und melancholisch. Dann
atmete er tief durch, schloss die Augen, bis er sich langsam
wieder fing. Ihm war nicht ganz klar, woher die Angst in
ihm auf einmal herkam.
Der
Mond als galaktische Handelsbasis
„Einfach
unglaublich”, hörte er die Stimme des Professors sagen.
Der Alte war dankbar, dass in die Stille hinein jemand etwas
sagte. So konnte er seinen kleinen Schwindelanfall verbergen.
„Welche
Ziele verfolgen Sie hier eigentlich auf Luna?”, fragte er
den Alten.
„Es
gibt nichts womit wir im Augenblick unsere Ziele erreichen
könnten, denn die Kräfteverhältnisse sind zu ungleich verteilt”,
lachte er rau auf.
„Da
fällt mir etwas ein”, erwiderte der Professor und kratzte
sich verstohlen am Kinn. „Eigentlich müsste ich mich mal
wieder rasieren. . . War das nicht so, dass die Gegenseite
letztes Jahr ihre Koffer packen und aus dem Erdorbit verschwinden
sollte? Aber sie sind nicht alle abgehauen, stimmt’s? Und
nun machen sie euch das Leben hier sauer.“
„Sie
missverstehen mich, Professor”, entgegnete ihm der Alte.
„Nicht die Gegenseite macht uns zu schaffen, sondern
meine Regierung selbst. Sehen Sie, diese Seite des Mondes
stellt so was wie ein großer Flughafen dar. Auf dieser Seite
des Mondes kommen sie rein. Mit dem aber nicht genug, hier
werden die Scheiben gebaut, die die Menschen manchmal auf
Erden am Himmel blinken sehen. Die Rückseite des Mondes
ist eine galaktische Handelsbasis. Die größten Einkäufer
sind meine Regierung und sie kaufen ein was das Zeug hält.“
„Und...äh....was
ist es...äh...was kaufen die so ein?“
Die
Neugier des Professors wurde hellwach. Er war sich sicher,
wenn der Alte jetzt weitersprach, dann müsste man mit Überraschungen
rechnen. Und schon sprach der Alte weiter:
„Meine
Regierung hat mit Hilfe der Gegenseite Roboter kreiert,
die zu Zweidrittel aus Technik bestehen und zu einem Drittel
aus Mensch.” Eine Art krächzendes Geräusch kam aus der Kehle
des Alten. Er rang sichtlich nach Luft.
Der
Professor stürzte auf ihn zu und richtete seinen zusammen
gesunkenen Oberkörper auf, goss Wasser aus der Karaffe ins
Glas und reichte es ihm. Der Alte nahm mehrere Schlucke
daraus und gab das Glas an den Professor zurück. Er hustete
krampfhaft und seufzte erleichtert.
„Danke,
es geht schon wieder. Meine Regierung hat mit der Gegenseite
menschlich anmutende Roboter erschaffen. Sie dienen dem
Zweck der Ausschaltung des Menschen. Sie müssen sich vorstellen,
dass die Gegenseite darauf bedacht ist, die Menschheit auszurotten.
Ganze Völker sollen auf der Erde verschwinden. Die vielen
Seuchen, die jetzt auf der Erde rumkursieren, sind nur ein
Teil davon, die Menschen auf der Erde stark zu reduzieren.
Weitaus
bedrohlicher sind die Experimente am lebenden Menschen.
Ja..., auch lebende Menschen wurden für diese Experimente
benutzt. Die gewissen Aliens, Sie kennen sie, das sind die,
die als die ’Men in black’ auftreten. Sie haben ein elektronisches
Gehirn, in das ein Bewusstsein hinein programmiert wurde,
von ehemals lebenden Menschen. Mit diesem Bewusstsein glauben
sie körperlich zu existieren wie Sie und ich.
Und
dann gibt es noch die anderen Aliens, die Ihnen auch bekannt
sind, das sind jene mit den großen Insektenaugen. Das sind
fiktive Wesen. Sie haben kein Bewusstsein.
Meine
Regierung projizieren gesteuerte Bilder in ihre Hirne. Darum
wirken sie kalt und gefühllos wenn sie mit Menschen in Kontakt
treten. Diese Wesen dienen dazu, die Menschheit zu verwirren
und ihnen glauben zu machen, dass diese Wesen vom Stern
Zeta-Reticuli kommen um die Menschheit zu retten. Aber in
all den vielen Jahren ist nichts in dieser Hinsicht geschehen.
Es geht nur noch weiter bergab mit der Erde.
Seit
tausenden von Jahren besuchen schon verschiedene Rassen
von Außerirdischen unsere Erde. Einige hatten die Absicht
den Planeten zu erobern, andere kamen aus Neugier oder wegen
der geologischen Schätze. Wieder andere vermischten sich
mit den Menschen und ihnen wurden Kinder geboren mit starken
spirituellen Fähigkeiten.
Auch
mit Genen wurde manipuliert, so, wie die irdischen Wissenschaftler
es heute auch tun an Mensch, Tier und Pflanze.”
Nach
diesem langen Vortrag schien der Greis ziemlich erschöpft
zu sein.
„Ich
hätte mal große Lust, auf so einen Flughafen herumzuspazieren.”
Mit diesen Worten grinste der Professor den Alten an. Der
hob müde sein Haupt und winkte ab.
Rosebär
legte sich schmollend zurück und murmelt etwas in sich hinein.
Daraufhin beugte sich Hata-aan zu dem Greis nieder und flüsterte
ihm etwas ins Ohr. Der Alte nickte mehrmals mit seinem Kopf,
lehnte sich dann nach hinten zurück, schloss die Augen und
blieb so sitzen.
„Ich
bin bereit, Sie dort hinzubringen, Professor!”
„Mich
allein?“, fragte der Professor ungläubig. Rosebär drehte
seinen Kopf zu Luna und Vasariah und wollte gerade fragen,
ob sie mitkommen wollten, da hörte er schon die Antwort
in seinem Kopf, dass er ruhig allein mitgehen könnte, sie
würden schon auf ihn warten.
Grinsend
stand der Professor auf und ging mit Hata-aan erwartungsvoll
hinaus.
Fortsetzung
folgt ... (Das
fatale Experiment).