Wigo
- Die Liebe stirbt zuletzt!
von
Marleen van Barneveld
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Folge
13
Unsere
Freunde lernen auf ihrer Schiffsfahrt zwei einflußreiche
Personen kennen. Wigo entschließt sich dann, mit ihnen
nach Frankreich zu gehen. Nach der Verabschiedung kommt
es aber zu einer UFO-Sichtung, die weitreichende und überraschende
Folgen haben wird ...
Kraft
des Magnetisierens
Am
anderen Tag lagen Luna, Wigo und der Professor auf bequemen
Liegestühlen an Deck.
"Liebe
Freunde", richtete sich der Professor zu den beiden: "Dies
ist nun unser gemeinsamer letzter Tag auf diesem Schiff.
Wir hatten einen schönen Urlaub, haha - wenn man das
mal einen ’Urlaub’ nennen kann. Ja, ja, wer weiß,
wo wir drei noch landen werden!" Er lachte sehr fröhlich.
Und in das Lachen hinein sagte er überraschend: "Aufgepaßt,
wir bekommen Besuch!"
Alle
drehten ihren Kopf neugierig nach links. Ein junges Paar
kam zielstrebig auf sie zu. Der Mann blieb vor Rosa stehen,
er machte eine leichte Andeutung einer Verbeugung, er sagte:
"Lieber Herr Professor, es ist uns eine Ehre, einen so
berühmten Mann wie Sie hier zu treffen! Mein Name ist
Abida Bousnani, wir sind auf dem Wege nach Frankreich. Wir
haben alle Ihre Bücher über die Kulturen Ägyptens
gelesen." Dann wandte sich der Mann freundlich an seine
Begleiterin: "Komm’ Naima, begrüße den Herrn
Professor!"
Sie
reichte dem Professor die Hand und er gab ihr galant einen
Handkuß. Dann sprang er elegant von seinem Stuhl hoch
und stellte Luna und Wigo vor. Nach dieser kurzen Begrüßung
stellten sie ihre Liegestühle zu einer Runde auf um
sich besser unterhalten zu können.
"Herr
Bousnani", begann der Professor das Gespräch, "ich
habe kürzlich eine Studie über die Globalisierung
gelesen, haben Sie Interesse an einem Gespräch?"
"Ja,
Herr Professor, gerne. Wollen wir dazu nicht einen kleinen
Spaziergang über das Schiffsdeck machen?"
"Gerne,
Herr Bousnani", antwortete der Professor. Luna, Naima und
Wigo hatten sich schon in ein Gespräch vertieft als
der Professor sie kurz unterbrach um zu sagen, daß
sie sich etwas die Beine vertreten wollen.
Die
drei nickten ihm kurz zu und dann waren der Professor und
Herr Bousnani auch schon verschwunden.
"Es
muß schön sein, wenn man Menschen heilen kann",
meinte Wigo. "Ich würde das so gerne lernen, Naima.
Können Sie mich nicht einfach mitnehmen nach Frankreich?,"
fragte er sie sehnsuchtsvoll.
"Interessieren
Sie sich denn für’s magnetisieren, Wigo?", fragte sie
ihn.
"Ja,
dann würde ich mich schon dafür interessieren,
wenn ich mit euch fahren könnte, vorrausgesetzt ich
bin dafür auch geeignet, sonst hätte es zweifellos
auch gar keinen Zweck, oder?", fragte Wigo.
"Natürlich
muß jede Kraft geübt werden, darum fängt
man zuerst damit an, Wasser zu magnetisieren. Danach übt
man sich an Kristallen oder an Pflanzen, weil die Wirkung
schnell und sichtbar eintritt."
"Wie
fühlt es sich denn an, wenn man magnetisiert wird?",
wollte Wigo von Naima wissen.
"Die
Empfindungen sind sehr verschieden. Die einen fühlen
den Strom des Magnetiseurs als angenehme Wärme, die
anderen als wohltuende Kälte", antwortete sie.
"Und
wie funktioniert magnetisieren?"
Naima
lächelte Wigo an als sie sagte: "Die magnetische
Behandlung erfolgt entweder durch magnetische Striche, durch
Handauflegen oder präparierte Stoffe."
"Jaa",
sagte Wigo gedehnt, "ich meinte eigentlich etwas anderes."
"Verstehe",
antwortete sie und ergriff Wigos Hände und legte ihre
Daumen an seine und drückte ihre Knie an seine Knie.
"Wir
werden eine Weile so verharren... Ich werde Ihnen dabei
in die Augen schauen, und werde mir dabei vorstellen, wie
das Od meiner Augen Ihren Körper durchstrahlt. Und
dabei denke ich mir, daß es Ihnen gut tun wird", sagte
sie ganz sanft und leise zu ihm.
Nach
einer Weile fügte sie hinzu: "Kommen Sie, stehen
Sie auf!"
Er
stand von seinem Stuhl auf und sie legte ihre rechte Hand
auf seine Stirn und die linke auf seinem Hinterkopf. Nach
etwa einer Minute nahm sie ihre rechte Hand von seiner Stirn,
spreizte die Finger auseinander, winkelte den Daumen an
und strich mit ihren 4 Fingern an Wigos vorderer Körperseite
hinunter bis unter die Knie. Als sie diese Behandlung beendet
hatte, machte sie mit ihrer rechten und linken Hand eine
kreisende Bewegung und trat zwei Schritte zurück. Dann
lächelte sie ihn an und sagte: "Wir müssten
es mal wiederholen."
"Oft?",
fragte er.
"Es
kommt darauf an...", erwiderte sie ihm geheimnisvoll.
"Worauf
denn?", fragte er neugierig. Darauf gab sie ihm keine Antwort
und meinte nur: "Sie sollten es lernen. Dies und anderes!"
"Anderes?
Nun machen Sie mich wirklich neugierig!"
"Nun",
sagte sie leise und mit einem hintergründigen Lächeln
auf den Lippen: "es gibt viele Dinge in der magischen Kunst,
die man erlernen kann und mit denen man sich das Leben leicht
versüßen könnte. Denken Sie nur einmal daran,
welche Wünsche Sie sich erfüllen könnten,
wenn Sie sich dieser Macht bedienen würden.
Kommen
Sie mit uns und ich werde Sie in viele magische Handlungen
einweihen, die Sie befähigen werden, in allen Bereichen
Ihres Lebens erfolgreicher zu sein. Kein Feind hat Macht
über Sie und nichts bleibt Ihnen verborgen. Die geheimsten
Beziehungen der Natur werden Ihnen offenbar werden, Sie
werden fast sein wie Gott!"
"Wie
Gott sein?", erwiderte Wigo ungläubig.
"Ja,
jeder der erschaffen kann ist ein ’Gott’."
Ihre
einschmeichelnde Stimme ließ in Wigo ein glückliches
Gefühl aufkommen und das sagte er auch zu ihr: "Ihre
Worte machen mich ja geradezu zum glücklichsten Menschen
auf Erden, Naima!"
Bei
diesen Worten strahlte er sie an und sagte: "Am liebsten
würde ich sofort eine Kabine neben der Ihren nehmen,
um mir Ihrer geheimnisvollen Gegenwart ganz bewußt
zu sein."
Naima
lächelte Wigo wieder an. Ihre Stimme hatte einen rauchigen
Klang angenommen: "Noch ist Ihr zukünftiges Leben
wie ein großes Spinnennetz. Befreien Sie sich von
Ihren klebrigen Fäden, die Sie festhalten, kommen Sie
mit mir und ich zeige Ihnen, wie Sie Herr über sie
werden können."
Da
schaute er sie an und fragte zögernd: "Sie meinen es
ehrlich?"
"Noch
nie habe ich es so ehrlich gemeint wie jetzt. Aber, zögern
Sie nicht zu lange. Denn wenn mein Bruder zurückkommt,
müssen Sie sich entschieden haben."
Sie
stand auf und verabschiedete sich von Luna. Dann ging sie
ein paar Schritte weiter und stellte sich an die Rehling
um hinaus auf das Meer zu sehen. Wigo schaute Luna an und
sagte zu ihr: "Findest du nicht auch, daß es von Naima
ein verlockendes Angebot ist, zu werden wie ein Gott?"
"Und
so was fragst du mich, Wigo? Götter nannte man zu Zeiten
Mose solche Leute, die als Gesandte Gottes auftraten. Doch
nicht mal Jesus hat sich selbst einen ’Gott’ genannt, obgleich
er viele große Wunder tat. Er heilte Blinde und unheilbar
Kranke, er ging übers Wasser, er heilte aus der Ferne
und er erweckte Menschen wieder zum Leben. Fürwahr,
er war Gott gleich und trotzdem nannte er sich nur Sohn
Gottes", antwortete sie ihm leise.
"Ich
finde, du übertreibst, Luna, und es ist nicht richtig
von dir, daß du mir das nun ausreden willst. Bis jetzt
haben mich nur alle als einen Waschlappen gesehen. Ich bin
doch nur der kleine Junge für euch", schoß es
über seine Lippen.
"Für
mich nicht, und für Rosa auch nicht, Wigo", sagte sie
traurig.
"Aber
Krister... und er hat dich geküsst. Ich habe das genau
gesehen", antwortete er ihr ziemlich laut. Sie sagte zu
seinen Vorwürfen nichts.
Wigo
stand auf und entschuldigte sich bei Luna: "Es tut mir leid,
aber ich gehe mit Naima. Sage bitte Rosa, daß ich
ihn vermissen werde, aber mein Entschluß steht fest
und er muß es eben akzeptieren."
Unschlüssig
blieb er vor Luna stehen und konnte sich nicht entscheiden,
ob er ihr die Hand zum Abschied geben sollte oder nicht.
Da
hörte er die Stimmen von Rosa und Bousnani. Er drehte
sich zu ihnen kurz um, hob seine Hand wie zum Gruß
und ging dann rüber zu Naima. Gemeinsam gingen sie
in Richtung der Kabinen ohne daß sich Wigo noch ein
einziges Mal umdrehte.
"Egoismus
ohne Grenzen"
Abida
und der Professor kamen zurück. Beide nickten Luna
zu als sie sich setzten. Auch Luna nickte freundlich zurück
und hörte wie Bousnani zum Professor sagte: "Was
haben die Globalisierungsgegner uns eigentlich zu sagen?
Wollen sie mit jeder Gewalt gegen jede Form von Privatbesitz
vorgehen? Ich weiß noch, daß bis vor kurzem
selbst progressive Intellektuelle das Loblied auf den freien
Welthandel der Länder sangen, die bislang in Armut
lebten und nun Wohlstand und Reichtum haben."
"Ich
bitte Sie, lieber Herr Bousnani, kennen Sie einen Arbeiter
in dieser Welt, dessen Lohn sich seit 1982 verdreifacht
hat? Selbst in einer Periode wirtschaftlichen Wachstums
bleiben Massenarbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung
ein wesentlicher Bestandteil des kapitalistischen Systems.
In den USA sahen 40 Prozent der Ärmsten ihr Einkommen
seit 1990 abnehmen, aber die größten multiinternationalen
Konzerne verdreifachten ihren Durchschnittsgewinn. Ich bin
der Meinung, daß der freie Wettbewerb des 21. Jahrhunderts
die Diktatur der 200 multinationalen Konzerne herbeigeführt
hat. Der freie Wettbewerb und der freie Markt haben sich
definitiv in ihr Gegenteil umgeformt", antwortete Rosa.
"Die
Globalisierung, das Überwinden von Grenzen, kann sich
natürlich schnell in Egoismus ohne Grenzen verwandeln",
meinte Bousnani und legte seine Fingerspitzen ineinander.
"Das
sehen wir ja alle an der Armee von Heimatlosen, die an den
Grenzen Europas entlang ziehen und die Schaufenster der
Wohlstandsgesellschaft bestaunen", erwiderte ihm der Professor.
"Sie
wollen mehr Freihandel, mehr Demokratie und Achtung der
Menschenrechte und mehr Entwicklungshilfe, meinen Sie das,
Herr Professor? Dazu brauchen wir aber ein politisches Instrument,
um diese Dinge zu erzwingen. Das aber kann nur eine Macht,
nämlich die USA", erklärte Bousnani.
"Also
der Meinung bin ich nun ganz und gar nicht, Herr Bousnani.
Die USA für die Belange Europas einzusetzen ist fehl
am Platze. Es wird wohl Zeit, daß sich Europa nicht
mehr von den USA dominieren läßt, sondern eine
Form bildet mit gleichberechtigten Partnern. Wir dürfen
nicht mehr zulassen, daß die Vereinigten Staaten uns
weiterhin kontrollieren. Und nicht nur Europa steht auf
ihrem Plan, Asien ist damit einbezogen. Dieses Eurasien
hat den größten Vorrat materieller Reichtümer,
75% in etwa der Welttotalität. Darum muß es uns
ein Bedürfnis bleiben, die USA aus Eurasien zu verjagen",
donnerte der Professor los.
"Lieber
Herr Professor, ich glaube kaum, daß Europa imstande
wäre, seine Beziehungen zu den USA abzubrechen, denn
die Entwicklung ihrer Wirtschaft sowie die militärische
Verteidigung macht Europa von den USA abhängig. Außerdem
würden die USA es nie ohne weiteres akzeptieren, ihre
heutige wirtschaftliche und militärische Führung
innerhalb Europas zu verlieren", konterte Bousnani.
"Aber
lieber Herr Bousnani, in welcher Welt leben Sie", kicherte
der Professor. "Die US-Regierung ist doch die politisch
schwächste und bankrotteste Regierung der Welt. Sie
torkelt von einer finanziellen Krise in die andere. Ein
Privatunternehmer hätte schon längst Insolvenz
anmelden müssen."
"Sicherlich
ließe sich noch einiges mehr darüber sagen, Herr
Professor", erwiderte Bousnani. "Mein Bedarf an diesem Thema
ist gedeckt. Ich danke Ihnen vielmals für dieses Gespräch",
sagte er und reichte dem Professor die Hand. Der nahm sie,
und erwiderte seinen Händedruck.
"Sie
haben recht, Herr Bousnani. Genießen wir den blauen
Himmel und gönnen wir uns eine stille Stunde des Nachdenkens."
"Ja
sicher", erwiderte er. "Tun Sie das, Herr Professor. Ich
werde mich in meine Kabine begeben, denn wie Sie wissen,
gehen wir in Frankreich von Bord. Und das dauert ja nun
nicht mehr lange. Also werde ich das eine und andere noch
zu ordnen haben. Jedenfalls, alles Gute für Sie und
vielleicht sehen wir uns mal wieder", sagte er lächelnd,
drehte sich um und ging.
"Das
war schon ein interessanter Gesprächspartner, der Herr
Bousnani, einer von wenigen", sagte Rosa nachdenklich. Beide
schwiegen eine Weile bis Rosa fragte: "Wo ist denn Wigo
?"
"Weg",
sagte Luna kurz angebunden.
"Wie,
weg?", fragte Rosa ganz erstaunt.
"Na,
weg", sagte sie.
"Einfach
so weg? Weg - weg - weg? Hat er wieder mal seine Tour gekriegt
abzuhauen ohne ein Wort zu sagen? Na, das ist ja wieder
mal was", räusperte er resignierend.
"Mach’
dir nichts daraus, Rosa. Im Leben trifft man sich immer
zweimal."
"Da
hast du recht, Luna", erwiderte Rosa und schaute dabei auf
seine Uhr. "Noch ein paar Stunden und die Bousnanis gehen
von Bord. Ja, sie gehen zu einem Kongreß. Vielleicht
sollten wir mitgehen, Luna? Was hälst du von dieser
Idee?"
"Nicht
viel. Mir ist dieser Sonnenuntergang und die Ruhe und du
neben mir mehr wert als alle Kongresse zusammen", sagte
sie lächelnd und schaute ihn an.
"Ich
werde eine Decke für dich holen, denn wie es aussieht,
werden wir noch eine Weile hier bleiben", meinte er und
war im Begriff aufzustehen.
"Laß
nur", sagte sie zu ihm, "ich werde ein paar Schritte gehen
und dann können wir sowieso zum Essen gehen."
"Wie
du meinst, Luna", antwortete der Professor.
Sie
stand auf, machte ein paar Auflockerungsübungen und
ging einige Schritte hin und her. Dann stellte sie sich
mit dem Rücken an die Reling und sagte zu Rosa: "Was
wir alles erlebt haben in letzter Zeit, also wenn wir das
jemanden erzählen würden, der würde uns kein
Wort glauben, meinst du nicht auch ?"
Eine
UFO-Sichtung mit Folgen
Der
Professor gab keine Antwort und Luna rief ihm zu." Hallooo
Professooor, aufwachen...! - Rosa?", rief sie besorgt. Und
nochmals: "Rosa?"
Erschrocken
lief sie mit vier Schritten zu ihm und schaute ihn direkt
in die offenen Augen.
"Was
ist mit dir ?" fragte sie ihn.
"Nichts",
antwortete er abrupt.
"Was,
nichts!" fragte sie ihn.
"Warum
gibst du mir denn keine Antwort, hm?"
"Dreh’
dich mal vorsichtig um."
"Da
oben liegt meine Antwort."
Sie
schaute sich um und sah in den Himmel. Nach einer Weile
drehte sie sich wieder zu Rosa hin und war verblüfft.
"Neun
UFOs bringen dich aus der Fassung, Rosa?! Haben wir damit
nicht schon etwas anderes erlebt?" fragte sie ihn erstaunt.
"Haben
wir!"
"Aber
diesmal ist ein anderes Gefühl dabei, Luna."
"Spürst
du nichts?" fragte er sie.
"Nein",
antwortete sie zögernd.
"Ich
glaube, jemand will mit mir Kontakt aufnehmen", sagte sie
zu Rosa.
Beide
schwiegen. Dann sagte Luna plötzlich zum Professor:
"Komm’, stell dich neben mich, Rosa, wenn du einverstanden
bist mit an Bord der Flugobjekte zu gehen!"
Der
Professor sprang mit einem Satz aus seinem Liegestuhl hoch
und stellte sich neben Luna.
Da
schoß blitzartig und abrupt aus dem ersten Raumschiff
ein gebündelter, gelber Lichtstrahl heraus und hüllte
die zwei total ein. Als der Schein wieder erlosch, war das
Schiffsdeck leer.
Fortsetzung
folgt ... (Der
Kontakt. Besuch in Cigilah).