Wigo
- Die Liebe stirbt zuletzt!
von
Marleen van Barneveld
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12
Während der Reise lernt
Wigo unerwartet einen weisen, alten Mann kennen. So geheimnisvoll,
wie dieser Mann auftauchte, so schnell verschwand er auch
wieder aus Wigos Leben.
Der Gelehrte
Sie standen
an der Reling und schauten hinaus aufs Meer. Etwas weiter
ab von ihnen stand ein alter Mann. Seine Arme ruhten auf
dem Geländer, in seinen Händen hielt er ein
kleines Buch, worin er las.
Wigo hatte schon
mehrere Male zu ihm hinüber gesehen und das fiel auch
bereits den anderen auf.
"Na, dann
mach’ doch Bekanntschaft mit dem alten Knaben", sagte der
Professor zu Wigo mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht.
"Scheinbar hat er für dich etwas magisches an sich",
stichelte der Professor frohgelaunt weiter.
Wigo hatte sich
nun ganz zu dem alten Mann hingewendet und starrte ihn aus
der Ferne an. Da drehte sich der Mann langsam um und hob
seinen Kopf in Wigos Richtung, lächelte freundlich
und winkte ihm zu.
Der Professor
sah das und gab Wigo einen freundschaftlichen Stups: "Nun
geh’ schon!"
Langsam setzte
Wigo einen Fuß vor den anderen bis er bei dem Alten
angekommen war. Dieser lächelte ihn immer noch an und
reichte ihm seine Hand.
"Alfalda",
stellte er sich vor.
"Wigo", antwortete
der andere, und stellte sich zu ihm an die Reling. Eine
Zeitlang schwiegen beide und schauten auf das Meer. In die
Stille hinein sagte Wigo: "Ich mache mir oft Gedanken über
das Universum. Wie mag Gott alles erschaffen haben und warum
erschuf er auch das Böse. Weißt du darauf eine
Antwort, Alfalda?"
Dualgeister
"Gott,
der große Universalgeist", begann Alfalda zu
erzählen, "erschuf Wesen, Geister,
Engel, egal wie du sie nennen willst, in Dualität:
zwei Leben in einem. Nur die Liebe war das Band, das beide
Energien zusammenhielt. Dieses Leben war voller Energie
und Schaffenskraft und damit es voll funktionieren konnte,
bekam es einen freien Willen. Alles war in Harmonie, bis
sich einige Dualgeister trennten und jeder ein eigenständiges
Leben führte. Durch diesen Bruch mit sich selbst verloren
sie die Liebe zu Gott dem Universalgeist. Er wiederum ließ
diesen Bruch zu und befreite sie nicht aus ihrer selbstzugefügten
Zwangslage, denn dann hätte er in ihren freien Willen
eingreifen müssen."
"Aber was
veranlaßte sie zu diesem Schritt?", wollte Wigo von
Alfalda wissen.
"Ihre
Gedanken", antwortete Alfalda. "Sie
wollten Gott sein. Er ist ein Wesen, sie hingegen sind zwei
Wesen in einem", antwortete Alfalda.
"Ich finde
nichts verkehrtes daran, sein zu wollen wie Gott", erwiderte
Wigo.
"Ich
auch nicht", gab Alfalda lächelnd zur Antwort.
"Gott ist unser Vater und wir lernen
von ihm und er freut sich immer, wenn wir ihm nacheifern,
wenn wir die Möglichkeit ergreifen, so sein zu wollen,
wie er, in seiner Schaffenskraft, Intelligenz und grenzenloser
Liebe.
Aber
er selbst zu werden in seiner Einzigartigkeit, seiner Vollkommenheit
ein einziges ICH zu sein, das ist unmöglich und das
ist auch nie der Gedanke Gottes gewesen als er seine Schöpfungen
begann zu realisieren."
"Und was passierte
anschließend mit diesen Wesen?", wollte Wigo wissen.
"Weil
ihre Gedanken jetzt nicht mehr geistiger Natur waren, erschuf
Gott für sie ein neues All in dem sie leben konnten",
entgegnete Alfalda.
"Das war sicherlich
sehr großzügig von Gott, denn einer von uns hätte
sicherlich nicht in derselben Situation so gehandelt wie
er", erwiderte Wigo.
"Dann
verstehst du jetzt auch, daß jeder Gedanke seine Daseinsberechtigung
hat. Wigo, wir müssen aufhören, das ’Böse’
zu bekämpfen. Stattdessen sollten wir anfangen zu lieben
und aufhören zu verurteilen!
Andererseits
hast du selbst die Wahl, dich von Gott zu trennen oder in
seiner Liebe zu verbleiben. Ob das so ist, offenbart dir
der Gedanke Gottes wenn du zu ihm sprichst", sagte
Alfalda.
"Und wir Menschen?
Stammen wir von diesen Dualgeistern ab oder haben sie uns
erschaffen", fragte Wigo.
"Anfangs
erzählte ich dir ja schon, daß Gott Dualgeister
erschaffen hatte. Erinnerst du dich Wigo?"
"Ja, Alfalda."
"Einige
vervielfältigten sich und andere blieben in sich zweifach",
sprach er weiter. "Ja genauso war das.
Und die Wesen die sich nicht vervielfältigten, die
erschufen den Menschen im Einklang mit Gottes Liebe. Und
als sie in ihrem Bewußt-Sein erwachten, hatten sie
schon die Kenntnis davon, das Wesen da waren, die sich gegen
Gottes Liebe entschieden hatten und das für sie zu
überwinden war. Sie waren das Bindeglied zu den Wesen,
die sich von Gott getrennt hatten. Sie waren die neue Schöpfung
und die alles wieder zu Gott zurückkehren lassen sollte",
erläuterte Alfalda.
Wigo schaute nachdenklich
auf das weite Meer hinaus. Nach einer Weile sagte er: "Wenn
also die neue Schöpfung sich nicht von der Gegenseite
hätte beeinflussen lassen, hätte es die Erde in
diesem Zustand nicht gegeben."
"Es tut
mir leid, Wigo, dir sagen zu müssen, daß die
Schulweisheit, der ’Garten Eden’ sei ein Teil der Erde,
nicht stimmt."
"Nein? Du
meinst, er war ein geistiges Prinzip? Meinst du das, Alfalda?"
Dieser nickte
nur mit dem Kopf und sagte nichts. Wigo schaute weiter aufs
Meer hinaus. Er war sichtlich berührt. Sie schwiegen
eine Weile, es war still, nur das Meer mit seinem ewigen
Rauschen war zu hören.
Gedanken
sind überall gegenwärtig
Fast
etwas feierlich klingend sagte Alfalda dann in diese Stille
hinein: "In
Wirklichkeit bist du Geist und Seele in einem. Dein Geist
umhüllt alle molekularen Strukturen deines Körpers
und gibt ihm erst die Lebenskraft aus seinen Gedanken, gibt
deiner Körperhülle Vitalität und Charakter.
Er macht, daß deine Augen sehen, dein Mund spricht
und deine Gliedmaßen sich bewegen.
Ohne
all das Unsichtbare an dir, wärst du ein Nichts, ein
Niemand!
Durch
deine Gedanken erschaffst du dir deine Zukunft. Jeden Tag
verplanst du durch deine Gedanken. Jeder Gedanke in dir
erzeugt ein Gefühl in deiner Seele, das von ihr abgespeichert
wird. Dieses Gefühl ist dann die Vorraussetzung für
kommende Ereignisse in deinem Leben.
Dinge
geschehen nicht zufällig, niemand ist ein Opfer der
Pläne und Absichten anderer. Alles was dir geschieht,
hast du in dein Leben selbst hineingedacht und gefühlt!"
"Deine Worte
erinnern mich an den Bibelspruch: Was ein Mensch sät,
das wird er ernten", zitierte Wigo.
"Ja",
begann Alfalda sein Wort wieder aufzunehmen. "Was
immer du als Gedanke säst, wirst du als Wirklichkeit
ernten. Alle Gedanken kehren zu dir in verstärkter
Form zurück. Dafür gilt das Gesetz: Gutes zieht
Gutes an und böses, Böses."
"Oje, dann
haben Leute, die Haßgedanken aussenden, schlechte
Karten, wie man so sagt", antwortete Wigo.
"Zuerst
schon, wenn diese Gedanken sich manifestiert haben und vervielfacht
und verstärkt zu dir zurückkehren und du sie dann
wieder mit einem destruktiveren Gedanken von neuem auflädst.
Aber nicht wenn diese destruktiven Gedanken-Energien auf
dich zurückgeworfen werden, und du sie mit einem Gebet
zu Gott in Dankbarkeit und Vergebung und Liebe annimmst,
dann werden alle unerwünschten Eigenschaften ausradiert."
"Wie funktionieren
denn eigentlich Gedanken, Alfalda?"
"Gedanken
sind Schwingungen, die überall gegenwärtig sind.
Diese Schwingungen sind elektronisch und reagieren unglaublich
feinfühlig auf jeden deiner Gedanken und bilden augenblicklich
die im Gedanken enthaltene Form nach, so daß sie in
der Materie erscheinen kann."
"Und warum
erfüllen sich manche meiner Wünsche nicht?", wollte
Wigo dann wissen.
"Das
liegt daran, daß du deinen Wunschgedanken mit nur
wenig innerlicher Kraft verschickst, obwohl sich Gedanken
selbst verstärken, reicht die Kraft dafür mitunter
nicht aus.
Du kannst
das ändern, indem du wiederholt deine Wunschgedanken
aussendest. Oder wenn du mit regelmäßiger Konzen-tration
zur selben Zeit deinen Gedanken verschickst; das nennt man
Meditation.
Lade
deine Gedanken mit starken Gefühlskräften auf,
je stärker das Gefühl, desto schneller manifestieren
sich deine Gedanken, und Liebe ist das stärkste Gefühl,
darum sind derartige Manifestationen dauerhaft. Auch wenn
sich ein Gedanke noch nicht manifestiert hat, geht er niemals
verloren, er steht zur Zeit eben nur in der Warteschleife",
erklärte Alfalda.
Wigo war von der
Reling zurückgetreten und kramte nun in seinen Hosentaschen
herum. Er holte einen kleinen Zettel heraus und reichte
diesen wortlos Alfalda. Er sah ihn dabei an und fragte ihn:
"Dieser Vers ist doch ein Mantra?"
Alfalda stand
aufrecht an der Reling und schaute auf das Blatt Papier.
Dann erhob er seine Stimme zu einem lieblichen Gesang. Als
er geendet hatte, schaute er auf Wigo und sagte: "Ich
bin alles. Erde, Weltall unendliches Bewußtsein. Darum
laß unsere Seele sich erheben, unser Bewußtsein
sich versenken in das anbetungswürdige Licht jener
göttlichen Lebens-Sonne der Weisheit, die unseren Geist
erleuchten möge!"
Wigo hatte mit
leicht geöffneten Mund Alfalda zugehört. Eine
Welle von Liebe und Harmonie durchströmte seinen Körper.
Ein Lächeln umsäumte seinen Mund und seine Augen
strahlten: "Ich habe Sehnsucht nach Gott ... dort wieder
zu sein, wo mein Anfang war!"
"Auch
du hast die Macht, grenzenlos zu denken, denn hinter der
Illusion der Materie verbirgt sich der Schöpfer aller
Universen. Wenn du dich im Bewußtsein öffnest
für alle Gedanken und nie ein Urteil über deine
eigenen Gedanken zu fällen, dann hast auch du die Macht
und die Fähigkeit, jedes Ideal, das dir vorschwebt,
wahr werden zu lassen. Du brauchst nie mehr die Programmierung
durch das gesellschaftliche Bewußtsein über dich
ergehen lassen."
Wage,
das Wissen anzuwenden
"Kannst du
mir ein paar Tips für die Zukunft geben, Alfalda?"
"Wagen,
Wissen, Schweigen. So lautet die Anweisung für die
Praxis in den alten Schulen der Weisheit. Weisheit aber
ist ewig. Darum geben die Meister auch heute noch den gleichen
Rat, zu wagen, das Wissen anzuwenden und zu schweigen."
"Aber warum
sollte man schweigen? Wäre es nicht gut, wenn viele
Menschen darüber Bescheid wüßten?", fragte
Wigo erstaunt.
"Schweige
und diskutiere nicht mit anderen, weil selbst der gutherzigste
Mensch durch seine Programmierung so viele Zweifel in dir
erwecken mag, daß sich kaum noch Erfolg einstellen
kann.
Ich erzähle
dir ein Gleichnis: Wenn du im Frühling eine Hecke pflanzest,
mußt du ein Netz darum errichten, weil sonst die Vögel
in der Frühlingszeit die jungen Triebe leicht abfressen.
Wenn die Hecke aber groß und dichtgewachsen ist, bietet
sie den gleichen Vögeln Schutz und Unterkunft!
Zweifle
nie an deinem Wissen, das ist die stärkste Form des
Glaubens und solcher Glaube kann wirklich Berge versetzen.
Wage dein Wissen anzuwenden, bringe es zum Einsatz. Erlaube
dir Geduld zu haben; Wachstum kann man beschleunigen, aber
nicht erzwingen.
Vergib
dir selbst. Du hast nichts falsch gemacht. Jede deiner Handlungen
war wichtig für dich, um zu verstehen. Gott hat dir
schon längst vergeben weil er dich niemals verurteilt
hat, egal wie andere deine Handlungen auch bewertet haben.
Laß
dich niemals von Zweifel überwältigen. Nur Zweifel
haben die Macht, alle deine Ideen und Gedanken zu vereiteln.
Richte
dein Bewußtsein auf das höchste Ziel, das du
erreichen möchtest, es können natürlich auch
mehrere sein."
"Ich kenne
jemanden", erzählte Wigo, "der hat sich ziemlich oft
vorgenommen, schlanker zu werden, aber nie klappte es so
richtig. Warum hatte dieser nie Erfolg, Alfalda?"
"Es ist
leider immer dasselbe Lied. Diese Leute sagen, ich bin dick,
na und? Außerdem habe ich sowieso schon alles versucht
und ich nehme nicht ab! Verstehst du den letzten Sinn, Wigo?"
"Ja genau,
ich verstehe. Sie sagen: ...und ich nehme nicht ab!"
"Und
genau das haben sich diese Leute selbst fest einprogrammiert.
Würden sie stattdessen sagen, ich bin nicht dick und
sonst nichts weiter denken, dann würden sie sehr schnell
feststellen, daß sie mit dieser Einstellung nicht
lange weiterhin unvernünftig essen können."
Wenn etwas
nicht Liebe ist, ist es Angst
"Zum Abschluß
unseres Gesprächs möchte ich dir eine alte Weisheit
mit auf den Weg geben:
Achte
auf deine Gedanken,
denn
sie werden deine Worte.
Achte
auf deine Worte,
denn sie werden deine Taten.
Achte
auf deine Taten,
denn sie werden dir zur Gewohnheit.
Achte
auf deine Gewohnheiten,
denn sie werden dein Charakter.
Achte
auf deinen Charakter,
denn er wird dein Schicksal !"
Alfalda stellte
sich seitlich an die Rehling und stützte sich mit dem
linken Arm auf ihr ab. Dann legte er seine rechte Hand auf
Wigos Schulter, schaute ihm in die Augen und sagte behutsam:
"Unsere
Wege trennen sich jetzt. In den nächsten Stunden legt
dieses Schiff in Zypern an und ich gehe von Bord. Es war
überaus schön mit dir zu reden.
Erkenne
immer, wenn etwas nicht Liebe ist, ist es letztendlich immer
nur Angst. Jeder Gedanke, jedes Wort, jede Bewegung, jedes
Gefühl beeinflußt das Universum, und dafür
müssen wir Menschen, am Ende unseres Weges, die Verantwortung
übernehmen!"
Sie gaben sich
die Hand und verabschiedeten sich sehr herzlich.
Alfalda ging davon
und Wigo schaute ihm hinterher. Nach ein paar Schritten
drehte sich Alfalda noch einmal zu ihm um und hob seine
Hand zum Gruße, dann verschwand er aus seinem Blickfeld.
Wigo wandte sich
wieder dem Meer zu und blickte noch eine ganze Weile auf
das verspielte Wasser unter ihm. Dann ging auch er mit langsamen
Schritten und in Gedanken versunken in seine Kabine zurück.
Fortsetzung
folgt ... (Von
Heilung, magnetischer Behandlung . . . und Globalisierung).