| UFOs
- eine Herausforderung für den Menschen
über Ion Hobana:
Interview
von Christa Aldea mit dem rumänischen UFO-Forscher Ion Hobana
am 19. Mai 2004 in Bukarest.
Bild:
Es fällt mir schwer zu glauben, dass UFO-Erscheinungen
einen anderen Ursprung als den eines außerirdischen
intelligenten Eingriffs haben sollen.
Der
rumänische Schriftsteller und UFO-Forscher Ion Hobana
(rechts) mit der Autorin dieses Beitrags, Christa Aldea. |
Christa Aldea (C.
A.): Ion, erzähl mir bitte etwas über Deine Beziehung
zum UFO-Phänomen.
Ion Hobana (I. H.):
Meine Beziehung zum UFO-Phänomen geht auf 1968 zurück
als ich meinen Freund, den bekannten belgischen SF-Historiker
Jacques van Herp in Brüssel traf und er mir zwei Bücher
des amerikanischen Schriftstellers Donald Keyhoe schenkte. Darin
fand ich sehr interessante Fälle, die größtenteils
von der amerikanischen Luftwaffe stammten und somit eine Gewähr
für ihre Echtheit boten.
Ich begann in der rumänischen
Presse darüber zu berichten und erhielt zu meinem Erstaunen
unzählige Zuschriften von Lesern, die selbst Zeugen von UFO-Sichtungen
waren.
Im Jahr 1971 veröffentlichte
ich zusammen mit Julien Weverbergh in Rumänien das Buch "UFO
– eine Herausforderung für den menschlichen Verstand".
Der Titel drückt eigentlich meine eigene Haltung aus, da
ich meine, daß dieses Phänomen eine echte Herausforderung
für den menschlichen Verstand darstellt und es für den
Menschen, der sich als sapiens bezeichnet die falscheste
Haltung wäre, vor dieser Herausforderung die Augen zu schließen.
Beim Kulturhaus der
Studenten in Bukarest gründete ich einen sogenannten wissenschaftlichen
Kreis zur Erforschung des UFO-Phänomens, der einen unerwartet
großen Erfolg hatte. Wir fuhren durchs Land und hatten überall,
wo wir auftraten, volle Vortragssäle. Auf diesen Reisen sammelten
wir Berichte von Augenzeugen und viel Material. Daraus entstanden
1972 zwei neue Bände mit dem Titel "UFOs im Osten und
Westen", die in Zusammenarbeit mit meinem Freund Julien Weverbergh
in Holland erschienen. Der zweite Band wurde sogar übersetzt
und in England, den USA, in Frankreich und Argentinien verlegt.
Da ich mich mit dem
UFO-Phänomen vor seiner modernen Geschichte, also vor 1947,
zu befassen begann und Material aus Büchern und Zeitschriften
des 19. Jahrhunderts sowie noch älteres Material sammelte,
kam ich auf den Gedanken, dieses in einem Buch zusammenzufassen.
So entstand 1993 mein Buch "Rätsel am Himmel der Geschichte",
das 1996 eine zweite Auflage erfuhr.
Nach der Wende gründeten
wir in Bukarest den "Verband zur Erforschung nicht identifizierter
Phänomene im Luftraum" (ASFAN), dessen Vorsitzender ich
bin. Zu diesem Verband gehören Astronomen, Meteorologen,
Radarfachleute, Informatiker, Physiker und andere, was zur Erforschung
des UFO-Phänomens absolut notwendig ist, da es multidisziplinär
behandelt werden muß, weil man sich nur auf diese Weise
mit kleinen Schritten und großer Sorgfalt der Wahrheit nähern
kann.
C. A.: Welchen Problemen
begegnet ihr in eurer Forschungsarbeit in Rumänien?
I. H.: Die Probleme,
denen wir hier in Rumänien begegnen, sind vor allem logistischer
Art, da das Material, welches wir für eine wirksame Forschung
benötigen, für uns leider unerschwinglich ist. Ich denke
dabei an leistungsstarke Computer, mit denen wir vor allem die
auf rumänischem Gebiet, also im rumänischen Luftraum
erfolgten zahlreichen UFO-Sichtungen analysieren und erforschen
könnten.
Wir beschäftigen
uns trotzdem weiterhin mit diesem Phänomen, in dem wir die
uns zur Verfügung stehenden Mittel aber vor allem mit sehr
viel guten Willen und Leidenschaft einsetzen.
Ich möchte darauf
hinweisen, daß sich in der Zeit von 1960-1970, über
die ich vorhin gesprochen habe, Rumänien im sowjetischen
Einflußbereich befand und wir unsere Aktivitäten trotzdem
durchführen konnten ohne mit den Behörden oder der Partei
in Schwierigkeiten zu geraten. Uns interessierte nur die Erforschung
des UFO-Phänomens und keineswegs die Politik. Auch die Tatsache,
daß einige meiner Bücher im Ausland erschienen, brachte
mir keine Nachteile.
In der sehr verbreiteten
Zeitschrift "Magazin" leitete ich damals eine Kolumne,
in der ich auf Leserbriefe zum UFO-Thema antwortete und die Leute
ermutigte, mir ihre Beobachtungen mitzuteilen.
C. A.: Welche
Aufgaben erfüllt ASFAN?
I. H.: Unser Verband
zur Erforschung nicht identifizierter Phänomene im Luftraum
wurde, wie ich schon sagte, nach der Wende ins Leben gerufen und
begann seine Tätigkeit mit 22 Mitgliedern. In der Zwischenzeit
kamen noch weitere hinzu und zur Zeit verfügen wir über
etwa 20 aktive Mitglieder, die bei unseren monatlichen Treffen
und so oft es notwendig ist, anwesend sind und mitmachen.
Sobald uns eine Sichtung
mitgeteilt wird, fahren wir an Ort und Stelle und befragen die
Leute. Es gelangen aber, so viel ich weiß, nur etwa 10%
aller gesichteten UFO-Phänomene an die Öffentlichkeit,
entweder weil die Leute befürchten, sich damit lächerlich
zu machen oder auch weil sie oft die Meinung vertreten, daß
wir sowieso nicht in der Lage sein werden, das schon so lange
bestehende Geheimnis zu lüften und sich die Mühe nicht
lohnt, denn wenn der Mensch etwas nicht verstehen kann, weist
er es einfach von sich. Wenn wir aber an Ort und Stelle sind,
stellen wir fest, daß die Leute dort oft viele Sachen gesehen
haben, die sie uns gar nicht erzählen.
Leider sind wir zu
wenig, verfügen nicht über ausreichende Mittel und können
uns auch nicht überall im Land verteilen.
C. A.: Gibt es viele
Sichtungen in Rumänien?
I. H.: Ja, und sogar
viele, die vor dem Zweiten Weltkrieg gemacht wurden. Alte Leute
erzählen mir über ihre Beobachtungen aus den zwanziger
und dreißiger Jahren.
C. A.: Verfügst
Du über Bildmaterial aus dieser Zeit?
I. H.: Leider gibt
es fast kein Bildmaterial aus dieser Zeit da die wenigsten einen
Fotoapparat hatten und zu der Zeit auch der Himmel mit nicht so
viel Interesse wie heute beobachtet wurde.
C. A.: Welches ist
die Haltung des rumänischen Militärs gegenüber
dieses Phänomens?
I. H.: Ich hatte Glück
als ich mich mit einem Fall befaßte, der sich im Januar
1913 in Rumänien ereignete. Am Winterhimmel erschienen mehrere
leuchtende Punkte, die man anfangs für Flugzeuge hielt. Es
konnten jedoch keine Flugzeuge sein, da diese zu der Zeit weder
so starke Scheinwerfer besaßen noch so merkwürdige
Flugbewegungen ausführen konnten.
Das rumänische
Verteidigungsministerium unterstützte mich bei diesem Fall,
in dem es mir die in seinem Archiv befindlichen Unterlagen zur
Verfügung stellte. Ich bekam Fotokopien der Berichte des
Gendarmeriechefs an den Leiter des Generalstabs.
C. A.: Werden
die Sichtungen irgendwo festgehalten?
I. H.: Daß Sichtungen
stattfinden, darüber gibt es keinerlei Zweifel, daß
sie aber von staatlichem Interesse in Rumänien sind, glaube
ich nicht. Soweit wir von ASFAN wissen, gibt es bei uns keine
Einrichtung, auch keine militärische, die sich mit der Aufzeichnung
oder der Erforschung dieses Phänomens befaßt. Es gibt
eigentlich nur unseren Verband ASFAN, der ganz legal und ordnungsgemäß
beim Gericht in Bukarest eingetragen ist.
C. A.: Kannst
Du mir etwas über Entführungen in Rumänien sagen?
I. H.: Ich kenne keinen
einzigen Fall von Entführung oder Begegnung dritten Grades
in unserem Land, was aber nicht heißen soll, daß es
sie nicht gibt. Unsere meisten Fälle sind Begegnungen ersten
und zweiten Grades und Radarfälle.
C. A.: Fanden
in letzter Zeit UFO-Sichtungen bei euch statt?
I. H.: In der letzten
Zeit hatten wir sogar sehr interessante Fälle von UFO-Sichtungen,
über die ich geschrieben und auch im Rundfunk und Fernsehen
berichtet habe. Erst vor einigen Tagen ereignete sich ein Fall
in Ramnicu Valcea, der durch die Medien ging.
Nicht alle Fälle
sind interessant. Oft handelt es sich um Verwechslungen, manchmal
aber sind es eindeutig UFOs, wie der Name schon sagt, nicht identifizierte
Flugobjekte.
C. A.: Gibt
es auf der Karte Rumäniens Schwerpunkte, also Gegenden, wo
UFO-Sichtungen vermehrt auftreten?
I. H.: Ja, vor allem
die Gegend um die Großstadt Cluj (Klausenburg). Hier fanden
seit 1968 viele Sichtungen statt, die auch in den Fachzeitschriften
des Westens veröffentlicht wurden.
C. A.: Habt
ihr in Rumänien eine Zeitschrift oder eine Zeitung, die sich
mit dieser Thematik befaßt?
I. H.: Leider gibt
es so etwas nicht. In der Zeitschrift "Lumea misterelor"
(Die Welt der Rätsel) erscheinen gelegentlich Artikel, an
denen die Mitglieder von ASFAN mitwirken. Sowohl ich als auch
andere Mitglieder unseres Verbandes werden zum Beispiel in Fernsehsendungen
eingeladen, um die stattgefundenen Phänomene zu kommentieren,
weil man uns als die kompetentesten Fachleute auf diesem Gebiet
ansieht.
C. A.: Glauben
die Leute in Rumänien in der letzten Zeit mehr an die Existenz
Außerirdischer?
I. H.: Bei uns gibt
es keinerlei Statistiken diesbezüglich. Wir bemerken aber,
daß sich die Leute für dieses Thema viel mehr interessieren
als früher.
C. A.: Interessieren
sich die Leute mehr, weil sie an das Phänomen glauben oder
weil es für sie etwas Besonderes, sogar etwas Unterhaltsames
darstellt?
I. H.: Es ist sehr
schwer hier eine Trennungslinie zu ziehen, aber ich bin der Meinung,
daß die meisten Leute davon überzeugt sind, daß
es sich um etwas handelt, das beachtet werden muß. Es ist
sicherlich nicht nur eine Unterhaltung sondern, wie ich schon
sagte, eine "Herausforderung für den menschlichen Verstand"
und wir dürfen vor einer Sache, auch wenn wir sie uns nicht
erklären können, einfach nicht gleich-gültig bleiben.
C. A.: Hat sich
nach der Wende etwas verändert?
I. H.: Selbstverständlich.
Außer meiner gelegentlichen Auftritte in den Medien und
denen einiger anderer Forscher, gab es nichts. Wenn jedoch heute
ein Fall auftritt, wird er sofort in der Presse und im Fernsehen
behandelt.
Auch die Leute, die
UFO-Sichtungen machen, sprechen heute freier und ungezwungener
darüber, sie müssen keine Repressalien oder sonstige
Nachteile seitens der Behörden befürchten; was sie aber
immer noch befürchten ist, daß sie sich lächerlich
machen könnten und deshalb treten viele nicht an uns heran.
Wir versuchen ihnen dabei zu helfen, in dem wir uns die größte
Mühe machen, das Volk über das UFO-Phänomen, so
gut es nur geht, aufzuklären.
C. A.: Habt
ihr in Rumänien Fernsehsendungen, die sich mit dem UFO-Phänomen
befassen?
I. H.: Nein, es gibt
keine speziellen Sendungen. Einzelne interessante Fälle werden
kurz in den Nachrichtensendungen erwähnt und manchmal werden
längere Sendungen zu diesem Thema ausgestrahlt. Ich wurde
einmal in eine Unterhaltungssendung eingeladen und dachte, daß
es gut sei in einer solchen Sendung aufzutreten, weil sie ja von
einer viel größeren Anzahl von Leuten gesehen wird
als eine Sendung, die sich auf UFO konzentriert und die nur gewisse
Zuschauer interessiert. Meine Überlegung war goldrichtig.
Wir hatten großen Erfolg.
C. A.: Habt
ihr in Rumänien über UFOs gehört, die im Meer versinken
oder aus dem Meer aufsteigen?
I. H.: Gehört
schon, aber uns wurde bis jetzt noch kein konkreter Fall in Rumänien
bekannt, was nicht heißen soll, daß es sie nicht gibt.
C. A.: Gab es
jemals UFO-Landungen in Rumänien?
I. H.: Bei uns gibt
es sehr wenig Landungen. Nach der Wende, ich glaube es war 1996
oder 1997, erschienen in der Gegend um die Stadt Arad einige Kornkreise.
Drei Journalisten aus Arad befaßten sich mit diesem Phänomen,
sprachen mit Augenzeugen, untersuchten, fotografierten die Kornkreise
und schrieben ein Buch darüber.
Es fällt mir schwer
zu glauben, daß diese Erscheinungen einen anderen Ursprung
als den eines außerirdischen intelligenten Eingriffs haben
sollen.
Da aber die Wissenschaft
nur solche Phänomene als existent betrachtet, die irgendwie
berechnet, betastet oder im Labor reproduziert werden können,
hat die Ufologie noch einen langen steinigen Weg vor sich, bis
sie ihr Ziel, eine Wissenschaft zu werden, erreicht.
C. A.: Ion,
ich danke Dir für das Interview und wünsche dir auch
weiterhin viel Erfolg in Deiner Forschungsarbeit.
Aus "UFO-Nachrichten" Nr. 373 (Sept./Okt. 2004)
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